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- 19.03.2002 -

Indien: Entwicklungshilfe vernichtet Millionen Arbeitsplätze

Andhra Pradesh zählt zu den ärmsten der 28 indischen Bundesstaaten. Jetzt könnte ausgerechnet ein Projekt der Entwicklungshilfe die Existenz jedes dritten Bauern vernichten: Wird die Landwirtschaft modernisiert, gehen 20 Millionen Arbeitsplätze verloren.

(jkm) - Der Bundesstaat mit seinen 70 Millionen Menschen befindet sich in einem Teufelskreis. Viele seiner Bauern stehen am Rand ihrer Existenz, weil ihre Höfe und Felder zu klein sind, um die Familien zu ernähren.

Deshalb sollen unrentable Ländereien zu größeren Einheiten zusammengelegt werden. Diese neuen Betrieben sollen dann mit technischem Gerät, Saatgut und Infrastruktur unterstützt werden.

Dazu stehen Fördergelder der Weltbank und Mittel aus britischer Entwicklungshilfe bereit: Dem Programm "Vision 2020" stehen 65 Millionen britische Pfund zur Verfügung - umgerechnet fast 105 Millionen Euro.

Der Haken: Das Zusammenlegung der Höfe wird 20 Millionen Bauern ihre Existenz kosten. Statt bisher 70 Prozent werden in zwanzig Jahren nur noch 40 Prozent der Menschen von der Landwirtschaft arbeiten können. Die Gegner des Projektes protestierten deshalb jetzt vor dem britischen Parlament.

PV Satheesh von der "Andhra Pradesh Coalition in Defence of Diversity" erklärte gegenüber dem "New Scientist": "Es heißt, die Leute, die ihr Land verlassen, werden andere Arbeit finden. Aber niemand kann sagen, wo diese Jobs zu finden sein sollen. Die Regierung selbst hat einen Einstellungsstopp verhängt, und die Privatwirtschaft schrumpft."

Die Regierung von Andhra Pradesh spricht derweil davon, ihr Bundesland werde zum "Kraftwerk der indischen Landwirtschaft". Laut "New Scientist" sollen sich die Inder beim Gentech-Unternehmen Monsanto bereits nach Bt-Baumwolle erkundigt haben, dem ein Insektizid eingebaut ist. Außerdem ist der Anbau von "Golden Rice" geplant, einer manipulierten Reissorte, die besonders viel Vitamin A enthält.

Kritiker, darunter die Hilfsorganisation "Christian Aid" und das Institut für Entwicklungsstudien an der Universität Sussex, verweisen auf Alternativen zur "Vision 2020".

Sie schlagen vor, die Modernisierung solle nicht zentral, sondern von den Gemeinden vor Ort geplant werden. Statt auf große Einheiten und die Gentechnologie zu setzen, könne man auch mit ökologischer Landwirtschaft das Überleben der Bauern sichern.


© ArtToday

Landwirtschaft in Indien: Viele Höfe und Felder sind zu klein.


 Mehr Informationen:

Projekt Vision 2020

chrismon: Welternährung: Die Revolution der Käferzähler

Greenpeace: Welternährung ohne Gentechnik

Christian Aid

Institute of Development Studies, University of Sussex

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