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Indien: Entwicklungshilfe vernichtet
Millionen Arbeitsplätze
Andhra Pradesh zählt zu
den ärmsten der 28 indischen Bundesstaaten. Jetzt könnte
ausgerechnet ein Projekt der Entwicklungshilfe die Existenz jedes
dritten Bauern vernichten: Wird die Landwirtschaft modernisiert,
gehen 20 Millionen Arbeitsplätze verloren.
(jkm) - Der Bundesstaat mit seinen
70 Millionen Menschen befindet sich in einem Teufelskreis. Viele
seiner Bauern stehen am Rand ihrer Existenz, weil ihre Höfe
und Felder zu klein sind, um die Familien zu ernähren.
Deshalb sollen unrentable Ländereien
zu größeren Einheiten zusammengelegt werden. Diese
neuen Betrieben sollen dann mit technischem Gerät, Saatgut
und Infrastruktur unterstützt werden.
Dazu stehen Fördergelder
der Weltbank und Mittel aus britischer Entwicklungshilfe bereit:
Dem Programm "Vision 2020" stehen 65 Millionen britische
Pfund zur Verfügung - umgerechnet fast 105 Millionen Euro.
Der Haken: Das Zusammenlegung
der Höfe wird 20 Millionen Bauern ihre Existenz kosten. Statt
bisher 70 Prozent werden in zwanzig Jahren nur noch 40 Prozent
der Menschen von der Landwirtschaft arbeiten können. Die
Gegner des Projektes protestierten deshalb jetzt vor dem britischen
Parlament.
PV Satheesh von der "Andhra
Pradesh Coalition in Defence of Diversity" erklärte
gegenüber dem "New Scientist": "Es heißt,
die Leute, die ihr Land verlassen, werden andere Arbeit finden.
Aber niemand kann sagen, wo diese Jobs zu finden sein sollen.
Die Regierung selbst hat einen Einstellungsstopp verhängt,
und die Privatwirtschaft schrumpft."
Die Regierung von Andhra Pradesh
spricht derweil davon, ihr Bundesland werde zum "Kraftwerk
der indischen Landwirtschaft". Laut "New Scientist"
sollen sich die Inder beim Gentech-Unternehmen Monsanto bereits
nach Bt-Baumwolle erkundigt haben, dem ein Insektizid eingebaut
ist. Außerdem ist der Anbau von "Golden Rice"
geplant, einer manipulierten Reissorte, die besonders viel Vitamin
A enthält.
Kritiker, darunter die Hilfsorganisation
"Christian Aid" und das Institut für Entwicklungsstudien
an der Universität Sussex, verweisen auf Alternativen zur
"Vision 2020".
Sie schlagen vor, die Modernisierung
solle nicht zentral, sondern von den Gemeinden vor Ort geplant
werden. Statt auf große Einheiten und die Gentechnologie
zu setzen, könne man auch mit ökologischer Landwirtschaft
das Überleben der Bauern sichern.
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