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Opfer von Hyänen und Halsabschneidern:
Kampf um Wasser in Afrika
Auch am 22. März, dem
Weltwassertag, werden 1,1 Milliarde Menschen weltweit keinen Zugang
zu sauberem Trinkwasser haben.
Von Antje Passenheim, dpa
Nairobi/Addis Abeba (dpa) - Am
liebsten würde Salemo Arzt werden. Doch der elfjährige
Äthiopier muss dauernd Schule schwänzen. «Um drei
Uhr nachts muss der Junge sich auf den Weg zur fünf Kilometer
entfernten Wasserstelle machen. Und wenn er Glück hat, dann
kommt er am Mittag mit einem Eimer zurück», weiß
Unicef-Sprecherin Angela Walker.
«Das Wasser fehlt ihnen
nicht nur, es bestimmt den Lebenslauf dieser Menschen in der Region
Süd-Omo», sagt die UN-Vertreterin in dem Land mit der
schlechtesten Wasserversorgung des Kontinents.
«Weniger als ein Viertel
aller Äthiopier hat Zugang zu sauberem Wasser in der Nähe
ihres Wohnorts», erklärt Ken Grey von der Unicef- Wasserabteilung
in der Hauptstadt Addis Abeba. «Knapp die Hälfte der
Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren geht auf
Durchfallerkrankungen zurück. Die meisten davon wiederum
resultieren aus dem Konsum von schlechtem Wasser», weiß
er. Dreiviertel aller Erkrankungen von Kindern in Äthiopien
seien Folge von unsauberem Wasser.
Auch Salemo kennt kein Kind in
seinem Dorf, das nicht regelmäßig Durchfall oder Magenkrämpfe
hat. An den kleinen Quellen entlang des ausgetrockneten Flussbetts
nahe dem kleinen Ort Jinka sieht er wie Frauen von sechs Uhr morgens
bis sechs Uhr abends für ein paar Eimer anstehen. Auf dem
nächtlichen Weg dorthin riskieren die Menschen, von Hyänen
gefressen zu werden. Und Salemo fragt sich, was besser ist: zu
verdursten oder einer Hyäne zum Fraß zu dienen.
Der Junge ist nur einer von 1,1
Milliarde Menschen, die nach Unicef-Berichten weltweit keinen
Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. «Gerade in den Ländern
mit der größten Knappheit beobachten wir, dass das
wenige Wasser auch noch von kleinen Eliten abgezweigt wird, während
der Großteil der Bevölkerung durstet und finanziell
ausblutet», sagt ein Mitarbeiter des UN-Programms für
menschliche Siedlungen (Habitat) in der kenianischen Hauptstadt
Nairobi. «Und gerade da, wo das Wasser am knappsten ist,
wird es häufig durch Missmanagement und Korruption vergeudet.»
In der Metropole mit drei Millionen
Einwohnern werden gerade mal 60 Prozent der Bevölkerung mit
Trinkwasser versorgt - und das zum Teil auch nur sporadisch. «60
Prozent des aufbereiteten Wassers gehen wegen des maroden Leitungssystems
oder Betrügereien verloren», sagt der Habitat-Mitarbeiter.
«Und das ist symptomatisch für die meisten Städte
in Afrika oder Asien.»
Mit dem Programm «Wasser
für afrikanische Städte» will Habitat zunächst
in sieben afrikanischen Großstädten Hilfe zur Errichtung
eines effizienteren und gerechteren Wassernetzes leisten. «Das
fängt bei der Infrastruktur an, geht über das Bewusstsein,
einen Wasserrohrbruch sofort beheben und nicht eine Woche zu warten
und hört bei der Bekämpfung der Korruption auf.»
Während die Landbevölkerung
mit Zeit und manchmal mit ihrem Leben für Wasser zahlt, werden
die Armen der Städte in Entwicklungsländern von wasserreichen
Nachbarn ausgenommen. So verdient sich manch Bewohner von Nairobis
bessergestellten Wohnvierteln etwas dazu, indem er sein Leitungswasser
im angrenzenden Slum tonnenweise verhökert - nicht selten
für das Zehnfache des Preises.
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