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- 18.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neues Programm und mehr Mut: Grüne starten in den Wahlkampf

Mit neuem Programm und demonstrativem Selbstbewusstsein starten die Grünen in den Bundestagswahlkampf.

Berlin (dpa) - «Für uns beginnt ab sofort jetzt der Wahlkampf», sagte Spitzenkandidat Joschka Fischer am Sonntag zum Abschluss des dreitägigen Programmparteitages in Berlin. 22 Jahre nach der Gründung passten die Grünen ihr Programm an die neuen weltpolitischen Realitäten an.

Erstmals lehnte der kleine Regierungspartner den Einsatz von Gewalt als letztem Mittel der Politik nicht mehr völlig ab. Die Grünen wollen ihr Profil an ökologischen und sozialen Reformprojekten und der Frauen- und Familienpolitik schärfen.

Kurz vor Abschluss des Parteitages mit knapp 700 Delegierten entging Außenminister Fischer nur knapp einer Abstimmungsniederlage, als es um den von ihm abgelehnten Abzug der Amerikaner in Europa ging. Fischer warnte eindringlich vor den «isolationistischen Konsequenzen». Entschärft wurde der Eklat durch einen von Umweltminister Jürgen Trittin vorgelegten Kompromissvorschlag.

Fischer beschwor seine Partei, sich den neuen außenpolitischen Herausforderungen zu stellen und ein klares Bekenntnis zur Europäischen Union abzulegen. Angesichts der Bedrohung durch den internationalen Terror rechtfertigte er den Einsatz militärischer Mittel in der Politik. Zugleich zeigte Fischer klare Grenzen dafür auf. Einen Militäreinsatz der Bundeswehr im Irak schloss er aus.

In ihrem neuen Programm verlangt die Partei eine Zweidrittelmehrheit des Bundestags für Auslandseinsätze der Bundeswehr. Bisher reicht die einfache Mehrheit. Aufgenommen wurde die Forderung nach der Abschaffung der Wehrpflicht. Die Grünen erkennen das Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung nach der Charta der Vereinten Nationen an.

Der Parteitag verschärfte in der Nacht zum Samstag die Haltung der Grünen zur Globalisierung. Die Delegierten nahmen den Antrag einer Gruppe von Altlinken an, in dem Widerstand gegen eine sozial ungerechte Globalisierung als «richtig und notwendig» angesehen wird.

Fischer begründete das Umdenken seiner Partei in der Außen- und Sicherheitspolitik unter anderem mit den Terrorattacken gegen die USA vom 11. September: «Es ist nicht Joschka Fischer, der Euch das zumutet. Die Realität mutet Euch etwas zu.»

Im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus seien militärische Mittel «nur ein kleiner Teil» des notwendigen Engagements. Wichtiger sei der zivile Aufbau wie jetzt in Afghanistan. Der Außenminister beschwor seine Partei, sich im Wahlkampf der historischen Verpflichtung der EU-Erweiterung zu stellen.

Der Spitzenkandidat rief seine Partei auf, langen Atem für die eigenen Ziele zu beweisen. Die Grünen seien die einzige Partei, die ausführlich über Krieg und Frieden diskutiert hätten. Die Partei will bei der Bundestagswahl am 22. September «acht Prozent plus X» und die Fortsetzung von Rot-Grün erreichen. Trittin und Parteichef Fritz Kuhn riefen die Grünen auf, mit neuem Selbstbewusstsein in den Wahlkampf zu ziehen.

Zentrale Forderungen des neuen Grundsatzprogramms «Grün 2020 - Wir denken bis übermorgen» sind verbesserte Leistungen für Kinder, Leitlinien für Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik, eine Energiewende und umweltgerechte Verkehrskonzepte.

Die Grünen sprechen sich auch für eine stärkere Intervention des Staates im wirtschaftlichen Wettbewerb sowie für eine «aktive, akzeptierende Einwanderungspolitik» aus. Zudem setzt sich die Partei für eine Legalisierung von weichen Drogen wie Haschisch und Marihuana ein. Außer bei der Debatte um die Außenpolitik gab es keine größeren Kontroversen.

Trittin forderte eine ökologische Finanzreform auf Grundlage der Ökosteuer. Verbraucherschutzministerin Renate Künast sicherte zu, die Rechte der Verbraucher auf Information und Wahlfreiheit bei Produkten weiter zu stärken. «Die Gesundheit der Menschen muss über dem Profit der Wirtschaft stehen.»

 Mehr Informationen:

Bündnis 90 / Die Grünen

 

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