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- 15.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UN-Gipfel in Monterrey: Mehr Geld für arme Länder

Der Kampf gegen den Terrorismus sei ohne den Kampf gegen die Armut nicht zu gewinnen, betont die Politik. Daher wird sich nun eine Konferenz der Vereinten Nationen in der nordmexikanischen Stadt Monterrey ganz dem Thema der Entwicklungsfinanzierung widmen.

Von Klaus Blume, dpa

Mexiko-Stadt (dpa) - Das Thema Entwicklungshilfe hat seit den Terroranschlägen vom 11. September neue Brisanz gewonnen. Spitzenpolitiker auf beiden Seiten des Atlantiks betonen, dass der Kampf gegen den Terrorismus ohne den Kampf gegen die Armut nicht zu gewinnen sei.

Von Montag bis Freitag kommender Woche wird sich daher eine Konferenz der Vereinten Nationen in der nordmexikanischen Stadt Monterrey ganz dem Thema der Entwicklungsfinanzierung widmen.

Die Anwesenheit von rund 50 Staats- und Regierungschefs, unter ihnen am letzten Tag auch US-Präsident George W. Bush, sowie rund 300 Ministern gibt der Konferenz den Charakter eines Gipfel. Die Bundesregierung ist mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul präsent. Globalisierungsgegner, denen die in Monterrey präsentierten Rezepte nicht passen, haben Proteste angekündigt.

Als Novum in der Geschichte der UN-Konferenzen wurde das Abschlussdokument, der «Monterrey-Konsens» schon Wochen vor der Zusammenkunft fertig gestellt, Text-Verhandlungen sind vor Ort nicht mehr vorgesehen.

Das Papier fordert die Industrieländer auf, die Entwicklungshilfe zu erhöhen, räumt aber auch der Privatwirtschaft eine Rolle bei der Entwicklungsfinanzierung ein und verlangt von den Entwicklungsländern mehr Eigenanstrengungen im Kampf gegen die Armut.

Der Monterrey-Gipfel schließt an Vorgängerveranstaltungen wie den UN-Millenniumsgipfel im September 2000 an. Seinerzeit hatten sich die UN-Mitglieder verpflichtet, den Anteil der in absoluter Armut lebenden Menschen bis 2015 um die Hälfte zu verringern.

Schon jetzt scheint klar, dass dies ohne zusätzliche Anstrengungen nicht zu schaffen ist. Monterrey sollen weitere Großveranstaltungen mit ähnlicher Zielsetzung folgen, darunter der «Weltgipfel über nachhaltige Entwicklung» im August/September in Johannesburg.

Dem Monterrey-Konsens zufolge sollen die Industrieländer endlich, wie von den UN schon seit 1970 gefordert, 0,7 Prozent ihres Bruttosozialproduktes in die Entwicklungshilfe zu stecken. Bisher schaffen das nur Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden.

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Quote seit den achtziger Jahren beständig von 0,4 auf 0,27 Prozent gesunken, die USA geben gar nur 0,1 Prozent für staatliche Entwicklungshilfe aus.

Die Entwicklungsländer sollen garantieren, dass die Gelder nicht nutzlos versickern. Ihre Regierungen sollen die Korruption bekämpfen, den Rechtsstaat stärken und auf wirtschaftliche Stabilität achten, um die Rahmenbedingungen für private Investitionen zu verbessern. Ein besseres Steuersystem soll helfen, lokale Ressourcen auszuschöpfen.

Denn bisher ist die Steuerquote, also der Anteil aller Steuern am Bruttosozialprodukt, in den meisten Entwicklungsländern viel niedriger als in Europa. Den krasse Unterschied zwischen sehr wohlhabenden Bevölkerungsteilen und der armen Unterschicht ist auch in der Industriestadt Monterrey unübersehbar.

Das Monterrey-Papier fordert auch einen Abbau der Handelshemmnisse. Dies richtet sich vor allem an die Industrieländer, die ihre Agrarmärkte gegen Einfuhren aus dem Süden abschotten und subventionierte Produkte auf den Weltmarkt werfen.

Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, geißelte die reichen Länder bereits als «egoistisch». Allerdings würde eine Öffnung der Märkte tausende Bauern in Europa arbeitslos machen.

Globalisierungsgegner haben in den Wochen vor der Konferenz kritisiert, dass es sich beim «Monterrey-Konsens» in Wirklichkeit um einen «Washington-Konsens» handele, in dessen Endfassung die US-Regierung ihre Vorstellungen durchgesetzt habe. Der Text betone zu sehr die Rolle des privaten Sektors und hebe zu stark die von der Dritten Welt selbst zu verantwortenden Entwicklungshemmnisse hervor.

Die Forderung nach der so genannten Tobin-Steuer - einer Abgabe auf internationale Finanztransaktionen - sei aus dem Entwurf gestrichen worden und die Aufforderung an die Industrieländer, die staatliche Entwicklungshilfe zu erhöhen, allzu lau formuliert.

Dass es in Monterrey zu Ausschreitungen wie in Seattle oder Genua kommt, gilt aber als unwahrscheinlich. Weil die Vereinten Nationen Veranstalter sind, gibt es für die Gegner von Liberalismus und Freihandel kein so klares Feindbild wie bei Tagungen der Welthandelsorganisation WTO oder der G-7, der sieben wichtigsten Industrieländer.

 Mehr Informationen:

Internationale Konferenz zur Entwicklungs- finanzierung in Monterrrey

Global Forum - Financing the right to sustainable and equitable development

BMZ

Kampagne "Globale Gerechtigkeit ökologisch gestalten"

vista verde: Entwicklung


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