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- 15.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

22 Jahre danach: Die grundsätzliche Wandlung der Grünen

An diesem Wochenende geben sich die Grünen in Berlin ein neues Grundsatzprogramm. 22 Jahre nach ihrer Gründung und dreieinhalb Jahre nach dem Sprung in die Bundesregierung zeigt sich die grundsätzliche Wandlung der Grünen jetzt schwarz auf weiß.

Von Bernd Röder, dpa

Berlin (dpa) - Als sich aus einer Melange von Umwelt- und Friedensgruppen 1980 die Partei der Grünen formte, da war sie in Inhalten und Sprache noch eine echte Besonderheit. Klare Grundsätze, radikale Forderungen zeichneten das «Bundesprogramm» aus dem Gründungsjahr aus: «Wir sind die Alternative zu den herkömmlichen Parteien», lautete der erste Satz selbstbewusst.

22 Jahre später, elf Jahre nach der Fusion mit dem ostdeutschen Bündnis 90 und dreieinhalb Jahre nach dem Sprung in die Bundesregierung zeigt sich die grundsätzliche Wandlung der Grünen jetzt schwarz auf weiß. An diesem Wochenende gibt sich die Partei in Berlin unter dem Leitspruch «Grün 2020 - wir denken bis übermorgen!» ein neues Grundsatzprogramm.

Der Entwurf des Bundesvorstandes nimmt den Begriff der Freiheit in den Grundwertekanon der Grünen auf, kombiniert mit einem sozialen Anspruch und der Forderung nach Minderheitenschutz. Ziel sei «eine Gesellschaft, in der die Menschen eine Chance haben, ihr Leben selbst zu gestalten - frei von Bevormundung». Dies dürfe aber keine «Freiheit des Ellenbogens» sein. Das Programm von 1980 stellte noch die «Basis» als Motor «dezentraler, direkter Demokratie» in den Mittelpunkt.

Als Teil ihrer Friedenspolitik war «Gewaltfreiheit» ein anderes großes Postulat der frühen Grünen, in einer Zeit, in der die Ost-West-Konfrontation noch lange nicht überwunden war. Die Grünen wehrten sich in ihrem 1980er Programm heftig gegen den NATO-Doppelbeschluss, der die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen in Europa gegen ähnliche Systeme der Sowjetunion vorsah. Sie lehnten «die Anwendung zwischenstaatlicher Gewalt durch Kriegshandlungen» grundsätzlich ab und verlangten die Auflösung von NATO und Warschauer Pakt.

Der eine Fall erledigte sich von selbst, und die NATO wird heute nicht mehr in Frage gestellt. Der Programmentwurf misst dem dauerhaften amerikanischen Engagement in Europa eine «wichtige Rolle» bei, das transatlantische Verhältnis dürfe aber nicht auf militärische Zusammenarbeit in der NATO fixiert bleiben.

Die Grünen bleiben insgesamt bei ihrer antimilitaristischen Haltung. «Gewalt als Ultima Ratio lässt sich nicht immer ausschließen», heißt es jetzt aber - als Konsequenz aus den Erfahrungen des Kosovo-Krieges. Die Anti-Terror-Einsätze nach den Anschlägen vom 11. September finden gleichfalls ihren Niederschlag im Programm: «Wir anerkennen auch das Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung nach Artikel 51 der Charta der UN.»

Dass die Auslandseinsätze der Bundeswehr in Berlin noch einmal zu einer Kontroverse führen werden, scheint nach dem klaren Votum des Rostocker Parteitages im November für den Anti-Terror-Kampf wenig wahrscheinlich.

Schon eher könnte das Thema Globalisierung ausführlich diskutiert werden, das 1980 noch kein gängiger Begriff war. Wie schwer es auch den Grünen fällt, freien Welthandel, soziale Gerechtigkeit und Umweltzerstörung programmatisch in Einklang zu bringen, zeigt die unentschiedene Feststellung im Entwurf: «Die Globalisierung bietet ebenso Chancen für erweiterte Demokratie wie sie andererseits auch Demokratie untergraben und gefährden kann.»

Im Kapitel zu Umwelt und Wirtschaft heben die Grünen hervor, beide Bereiche weiter verzahnen zu wollen: «Ökologisches Wirtschaften schafft neu Arbeitsplätze.» Die Lenkung soll über eine ökologische Ausrichtung des Steuer- und Finanzsystems gelingen. Die Einführung der Ökosteuer sei dafür der «entscheidende Durchbruch» gewesen.

1980 waren die Töne weniger versöhnlich: «Die Zerstörung des natürlichen Gleichgewichts durch eine hemmungslose industrielle Wachstumspolitik muss gestoppt werden, bevor es zu spät ist», hieß es damals.

Ein wichtiges Anliegen grüner Politik ist in den Hintergrund getreten: Der Atomausstieg. 1980 hatten die Grünen unmissverständlich gefordert, alle Atomkraftwerke sofort stillzulegen. Nachdem der langfristige Ausstieg seit kurzem Gesetz ist, bleibt nun nur noch die Forderung, diesen auch «konsequent» zu Ende zu bringen.

Dafür gesellt sich zum klassischen Anliegen der Gleichberechtigung von Frauen im Programm «Grün 2020» der Schwerpunkt Familienpolitik. Die Grünen wollen unter anderem eine flächendeckende Ganztagsbetreuung und eine finanzielle Grundsicherung für Kinder.

 Mehr Informationen:

Bündnis 90 / Die Grünen

 

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