vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   P o l i t i k   &   G e s e l l s c h a f t

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 03.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Belgien: Trittin und Greenpeace loben Atomausstieg

Bundesumweltminister Jürgen Trittin und die Umweltorganisation Greenpeace haben die Entscheidung der belgischen Regierung für einen Ausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahr 2025 gelobt.

Brüssel/Berlin (dpa) - «Die beabsichtigte Begrenzung der Laufzeit der belgischen Reaktoren auf jeweils 40 Jahre verdeutlicht, dass der Atomausstieg kein deutscher Sonderweg ist», sagte Trittin zu dem Gesetzentwurf. Die Kraftwerksbetreiber kritisierten die Ankündigung der Koalition vom Freitagabend hingegen.

Die flämische Umweltpartei Agalev sprach am Samstag vom «Ende für eine Energiequelle, die nie eine Zukunft gehabt hat». Der liberale Regierungschef Guy Verhofstadt hatte erklärt, Belgien wolle künftig verstärkt auf alternative Energien setzen.

Am Samstag wurde in Flandern eine neue Fabrik für Pommes Frites eröffnet, die mit ihrem Abfall an Kartoffelschalen Strom für rund 1000 Haushalte produziert. Bei Brügge wurde tags zuvor ein Windpark eröffnet, dessen 14 Turbinen rund 6000 Menschen mit Elektrizität versorgen sollen.

Der Sprecher des belgischen Betreiberfirma Electrabel, Philippe Massart, sprach von einer «politischen Entscheidung» der belgischen Regierungskoalition aus Liberalen, Sozialisten und Grünen. Massart sagte, die Atomkraft trage zur Luftreinhaltung im Sinne des Umweltprotokolls von Kyoto bei.

«Ich verstehe deshalb den Beschluss zur Schließung nicht», sagte der Electrabel-Sprecher der Zeitung «Le Soir» vom Samstag. Nach Ansicht der Kraftwerksbetreiber könnten die Anlagen länger als 40 Jahre Strom produzieren.

Trittin erklärte, der deutsche Atomausstieg begrenze die Regellaufzeit der betroffenen Kraftwerke auf 32 Jahre nach Betriebsbeginn. Deutschlands ältester Reaktor, in Obrigheim, werde voraussichtlich Ende 2002 vom Netz gehen. Das jüngste Atomkraftwerk, Neckarwestheim 2, solle im Frühjahr 2021 abgeschaltet werden. Gemessen am belgischen Szenario für den Atomausstieg sei Deutschland «vergleichsweise schnell», stellte der Bundesumweltminister fest.

«Es gibt keinen Grund, die Lebensdauer der Kraftwerke auf 40 Jahre zu verlängern», erklärte Greenpeace laut «Le Soir». Die Atomkraft sei gefährlich, teuer und verschmutze die Umwelt.

Die ostbelgische Zeitung «Grenz-Echo» analysierte, der politische Erfolg für die Grünen in der belgischen Regierung sei «merkwürdigerweise in erster Linie den Banken zu verdanken». Die Kreditgeber hätten argumentiert, ihr Kapital rentiere sich angesichts der enormen Investitionskosten für die Atomkraft anderswo schneller und sicherer.

Bisher stammen 55 bis 60 Prozent des belgischen Stroms aus der Atomkraft. Ein Kraftwerk mit vier Meilern produziert in Doel bei Antwerpen, die zweite Anlage mit drei Reaktoren steht in Tihange bei Huy. Die beabsichtigte Schließung der Anlagen nach 40 Jahren Laufzeit hat zur Folge, dass die Blöcke Doel I und II sowie Tihange I im Jahr 2015 stillgelegt werden.

Anders als der grüne Koalitionspartner erwarten von der belgischen Regierung beauftragte Fachleute, dass die ohnehin hohen Strompreise in Belgien weiter steigen werden

 Mehr Informationen:

BMU

Greenpeace

vista verde: Atomenergie

 

 Lesen Sie auch:

Verbände für Stilllegung: Schwerer Schaden im AKW Brunsbüttel

Trittin: Atomkonsens und Klimaschutz größte Erfolge

Nach Greenpeace-Satire: Landesregierung in Stuttgart verärgert

25 Jahre Gorleben: Standort für zentrales Endlager weiter offen

Atomenergie: Bundesrat besiegelt den Ausstieg

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft | Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung