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Belgien: Trittin und Greenpeace loben
Atomausstieg
Bundesumweltminister Jürgen
Trittin und die Umweltorganisation Greenpeace haben die Entscheidung
der belgischen Regierung für einen Ausstieg aus der Atomkraft
bis zum Jahr 2025 gelobt.
Brüssel/Berlin (dpa) - «Die
beabsichtigte Begrenzung der Laufzeit der belgischen Reaktoren
auf jeweils 40 Jahre verdeutlicht, dass der Atomausstieg kein
deutscher Sonderweg ist», sagte Trittin zu dem Gesetzentwurf.
Die Kraftwerksbetreiber kritisierten die Ankündigung der
Koalition vom Freitagabend hingegen.
Die flämische Umweltpartei
Agalev sprach am Samstag vom «Ende für eine Energiequelle,
die nie eine Zukunft gehabt hat». Der liberale Regierungschef
Guy Verhofstadt hatte erklärt, Belgien wolle künftig
verstärkt auf alternative Energien setzen.
Am Samstag wurde in Flandern eine
neue Fabrik für Pommes Frites eröffnet, die mit ihrem
Abfall an Kartoffelschalen Strom für rund 1000 Haushalte
produziert. Bei Brügge wurde tags zuvor ein Windpark eröffnet,
dessen 14 Turbinen rund 6000 Menschen mit Elektrizität versorgen
sollen.
Der Sprecher des belgischen Betreiberfirma
Electrabel, Philippe Massart, sprach von einer «politischen
Entscheidung» der belgischen Regierungskoalition aus Liberalen,
Sozialisten und Grünen. Massart sagte, die Atomkraft trage
zur Luftreinhaltung im Sinne des Umweltprotokolls von Kyoto bei.
«Ich verstehe deshalb den
Beschluss zur Schließung nicht», sagte der Electrabel-Sprecher
der Zeitung «Le Soir» vom Samstag. Nach Ansicht der
Kraftwerksbetreiber könnten die Anlagen länger als 40
Jahre Strom produzieren.
Trittin erklärte, der deutsche
Atomausstieg begrenze die Regellaufzeit der betroffenen Kraftwerke
auf 32 Jahre nach Betriebsbeginn. Deutschlands ältester Reaktor,
in Obrigheim, werde voraussichtlich Ende 2002 vom Netz gehen.
Das jüngste Atomkraftwerk, Neckarwestheim 2, solle im Frühjahr
2021 abgeschaltet werden. Gemessen am belgischen Szenario für
den Atomausstieg sei Deutschland «vergleichsweise schnell»,
stellte der Bundesumweltminister fest.
«Es gibt keinen Grund,
die Lebensdauer der Kraftwerke auf 40 Jahre zu verlängern»,
erklärte Greenpeace laut «Le Soir». Die Atomkraft
sei gefährlich, teuer und verschmutze die Umwelt.
Die ostbelgische Zeitung «Grenz-Echo»
analysierte, der politische Erfolg für die Grünen in
der belgischen Regierung sei «merkwürdigerweise in
erster Linie den Banken zu verdanken». Die Kreditgeber hätten
argumentiert, ihr Kapital rentiere sich angesichts der enormen
Investitionskosten für die Atomkraft anderswo schneller und
sicherer.
Bisher stammen 55 bis 60 Prozent
des belgischen Stroms aus der Atomkraft. Ein Kraftwerk mit vier
Meilern produziert in Doel bei Antwerpen, die zweite Anlage mit
drei Reaktoren steht in Tihange bei Huy. Die beabsichtigte Schließung
der Anlagen nach 40 Jahren Laufzeit hat zur Folge, dass die Blöcke
Doel I und II sowie Tihange I im Jahr 2015 stillgelegt werden.
Anders als der grüne Koalitionspartner
erwarten von der belgischen Regierung beauftragte Fachleute, dass
die ohnehin hohen Strompreise in Belgien weiter steigen werden
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