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- 22.02.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bundesärztekammer und Greenpeace:
Gegen Patent auf Brustkrebsgen

Die Bundesärztekammer und die Umweltorganisation Greenpeace haben das Europäische Patentamt aufgefordert, das Patent auf ein Brustkrebsgen aufzuheben.

München/Berlin (dpa) - «Das Wissen um die menschliche Anatomie und das Genom des Menschen sind Allgemeingut und keine Handelsware. Deshalb wenden wir uns gegen jeden Versuch, menschliche Gene oder Gensequenzen zu patentieren», sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Jörg-Dietrich Hoppe. Die Entscheidung des Patentamtes, das Brustkrebsgen BRCA1 patentrechtlich zu schützen, dürfe keinen Bestand haben.

Mitglieder der Umweltorganisation Greenpeace kletterten an der Fassade des Patentamtes hoch und entrollten ein Transparent mit der berühmten Venus-Abbildung von Sandro Botticelli und der Aufschrift: «Hände weg von meinen Genen». Gleichzeitig übergaben sie Unterschriften für einen Einspruch gegen das bereits erteilte Patent EP 0705903 auf das Brustkrebsgen.

Das Patentamt wollte sich am Freitag nicht äußern. Es handle sich um ein laufendes Verfahren, zu dem das Amt keine Stellung abgebe, sagte ein Sprecher.

Die Entdeckung des Gens BRCA1 ermöglicht neue Wege zur Diagnose von Brustkrebs. Nach Auffassung von Greenpeace sichert sich das US- Unternehmen Myriad mit dem Patent die Rechte zur Anwendung des Gens und behindere dadurch die Medizin zur Entwicklung besserer Verfahren für die Brustkrebsdiagnose.

Die Ärztekammer unterstützte das Anliegen von Greenpeace: «Wir hoffen, dass der heutige Einspruch von Greenpeace und über 1000 Personen gegen dieses Patent Erfolg hat und die Patenterteilung widerrufen wird», sagte Hoppe.

«Es ist zu befürchten, dass Forschungsergebnisse - in Erwartung einer Patenterteilung - nicht schnell und offen genug kommuniziert werden und in der Folge dadurch Experimente am Menschen und an Tieren unnötig wiederholt werden oder gar Warnungen vor gefährlichen Praktiken aus kommerziellen Gründen unterbleiben.»

Menschliche Gene oder Gensequenzen seien keine Erfindungen, sondern Erkenntnisse über natürliche Gegebenheiten, die sich einer Patentierung entziehen sollten.

Greenpeacesprecher Christoph Then erklärte in München, Gene dürften nicht zum «Spielball von Aktienhändlern und Patentanwälten» werden. Gene von Menschen, Tieren und Pflanzen seien Allgemeingut. Der Zugang zu diesen Lebensgrundlagen dürfe nicht durch Patente blockiert werden.


© dpa

Mitglieder von Greenpeace kletterten an der Fassade des Patentamtes hoch und entrollten ein Transparent mit der Venus-Abbildung von Botticelli und der Aufschrift: «Hände weg von meinen Genen».

 Mehr Informationen:

Greenpeace

Bundesärztekammer

Europäisches Patentamt

vista verde: Gentechnik


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