|
Botswana: Den wahren Herren der Kalahari
wird der Wasserhahn abgedreht
Das Volk der San lebt seit
Jahrtausenden als Jäger und Sammler in der Kalahari im südlichen
Afrika. Nun droht den letzten Überlebenden jahrhundertelanger
Verfolgung das Verdursten - weil Botswanas Regierung die Wasserversorgung
einstellen will.
Von Ralf E. Krüger, dpa
Johannesburg/Gaborone (dpa) -
Südafrikas Ureinwohner wurden jahrhundertelang verfolgt,
verjagt, versklavt. Von Schwarz und Weiß als bessere Affen
verachtet, drohte ihnen die Erschießung oder bestenfalls
die Verunglimpfung als «Hottentotten».
Die San - allgemein auch als «Buschmänner»
bekannt - lebten im südlichen Afrika mehr als 15 Jahrtausende
als Jäger und Sammler im Gebiet der Kalahari-Trockensteppe,
zwischen den heutigen Staaten Botswana, Namibia und Südafrika.
Nun droht den letzten Überlebenden in der Zentralkalahari
das elende Verdursten - offiziell, weil sich Botswanas Regierung
monatliche Kosten von 55.000 Pula (9000 Euro) für die Wasserversorgung
nicht mehr leisten kann.
Der Staat - auf Grund reichhaltiger
Bodenschätze einer der wohlhabendsten der Region - zog sich
deswegen den Zorn internationaler Menschenrechtsgruppen zu. Mit
europaweiten Mahnwachen vor den Botschaften des Landes machte
Survival International, die weltweite Organisation zur Unterstützung
von Naturvölkern, diese Woche auf die Bedrohung aufmerksam.
Die Organisation befürchtet eine Existenzgefährdung
für die Buschleute.
Als Hauptmotiv der Regierung sehen
Kritiker weniger die Kosten für den Betrieb einer Wasserpumpe
und mehrerer per Tankwagen gefüllter 10.000-Litertanks, sondern
den Aufbau eines Luxustourismus im Zentralkalahari-Naturschutzpark.
Dort werden außerdem Diamanten-Vorkommen vermutet, bei deren
Abbau die San (in Botswana als Basarwa bekannt) nur Störfaktoren
wären.
Die angedrohte Demontage der
Wasserversorgung wird daher als bisher letzte Maßnahme einer
langfristigen Strategie zur Vertreibung aller Buschleute aus dem
Naturschutzpark gewertet. 1997 wurden rund 2500 von ihnen zu trostlosen
Umsiedlungslagern außerhalb des Reservats transportiert.
«Die meisten von ihnen hatten
dem Umzug zugestimmt», erklärte die zuständige
Regierungsvertreterin Gladys Kokorwe später, als sie sich
gegen Vorwürfe einer Zwangsumsiedlung wehrte. Den Vertriebenen
winkten Lager, in denen sie ihre Lebensweise völlig umstellen
mussten; oft wurden sie alkoholabhängig, wie Survival International
kritisierte.

© dpa
Buschmann
vor seiner Reisighütte im Kalahari Gemsbok Nationalpark
an der Grenze von Botswana.
|
Für die im Naturschutzpark
verbliebenen 450 Buschmänner hagelte es Repressalien - unter
anderem wegen ihrer seit Jahrtausenden in dem Gebiet betriebenen
Jagd mit Pfeil und Bogen. Einem Vorschlag der Europäischen
Union, die San in ein umfassenderes Projekts in Botswana einzubinden,
wurde bisher noch nicht von der Regierung entsprochen.
Dabei könnten die einstigen
Herren der Kalahari mit ihren einmaligen Naturkenntnissen den
Öko-Tourismus durchaus bereichern. Von Angola bis zum Kap
der Guten Hoffnung reichte ihr riesiges Jagdgebiet, das sie in
kleinen Sippengemeinschaften durchstreiften. Wasser, Wild und
die Verfügbarkeit pflanzlicher Nahrung bestimmten ihre Wanderungen.
Doch mit der Kolonialisierung
wurde das kleinwüchsige Jäger- und Sammlervolk in Richtung
Kalahari abgedrängt, wo noch heute ihre künstlerisch
hoch stehenden Fels-Zeichnungen von ihrer Kultur zeugen. Die meisten
gerieten in Abhängigkeit von den neuen schwarzen oder weißen
Herren, vegetierten auf Farmen und in den Kraalen als billige
Arbeiter oder Sklaven.
Auf etwa 90.000 wird die Zahl
der beiden Hauptgruppen - Khoikhoi und San - geschätzt: 55.000
in Botswana, 35.000 in Namibia und 1000 in Südafrika. Dort
hatten sie 1999 nach langem Rechtsstreit mehrere hundert Quadratkilometer
Land zurück erhalten, das ihnen in seit der Kolonialzeit
abgenommen war.
|