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- 14.02.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Botswana: Den wahren Herren der Kalahari wird der Wasserhahn abgedreht

Das Volk der San lebt seit Jahrtausenden als Jäger und Sammler in der Kalahari im südlichen Afrika. Nun droht den letzten Überlebenden jahrhundertelanger Verfolgung das Verdursten - weil Botswanas Regierung die Wasserversorgung einstellen will.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Johannesburg/Gaborone (dpa) - Südafrikas Ureinwohner wurden jahrhundertelang verfolgt, verjagt, versklavt. Von Schwarz und Weiß als bessere Affen verachtet, drohte ihnen die Erschießung oder bestenfalls die Verunglimpfung als «Hottentotten».

Die San - allgemein auch als «Buschmänner» bekannt - lebten im südlichen Afrika mehr als 15 Jahrtausende als Jäger und Sammler im Gebiet der Kalahari-Trockensteppe, zwischen den heutigen Staaten Botswana, Namibia und Südafrika. Nun droht den letzten Überlebenden in der Zentralkalahari das elende Verdursten - offiziell, weil sich Botswanas Regierung monatliche Kosten von 55.000 Pula (9000 Euro) für die Wasserversorgung nicht mehr leisten kann.

Der Staat - auf Grund reichhaltiger Bodenschätze einer der wohlhabendsten der Region - zog sich deswegen den Zorn internationaler Menschenrechtsgruppen zu. Mit europaweiten Mahnwachen vor den Botschaften des Landes machte Survival International, die weltweite Organisation zur Unterstützung von Naturvölkern, diese Woche auf die Bedrohung aufmerksam. Die Organisation befürchtet eine Existenzgefährdung für die Buschleute.

Als Hauptmotiv der Regierung sehen Kritiker weniger die Kosten für den Betrieb einer Wasserpumpe und mehrerer per Tankwagen gefüllter 10.000-Litertanks, sondern den Aufbau eines Luxustourismus im Zentralkalahari-Naturschutzpark. Dort werden außerdem Diamanten-Vorkommen vermutet, bei deren Abbau die San (in Botswana als Basarwa bekannt) nur Störfaktoren wären.

Die angedrohte Demontage der Wasserversorgung wird daher als bisher letzte Maßnahme einer langfristigen Strategie zur Vertreibung aller Buschleute aus dem Naturschutzpark gewertet. 1997 wurden rund 2500 von ihnen zu trostlosen Umsiedlungslagern außerhalb des Reservats transportiert.

«Die meisten von ihnen hatten dem Umzug zugestimmt», erklärte die zuständige Regierungsvertreterin Gladys Kokorwe später, als sie sich gegen Vorwürfe einer Zwangsumsiedlung wehrte. Den Vertriebenen winkten Lager, in denen sie ihre Lebensweise völlig umstellen mussten; oft wurden sie alkoholabhängig, wie Survival International kritisierte.


© dpa

Buschmann vor seiner Reisighütte im Kalahari Gemsbok Nationalpark an der Grenze von Botswana.

Für die im Naturschutzpark verbliebenen 450 Buschmänner hagelte es Repressalien - unter anderem wegen ihrer seit Jahrtausenden in dem Gebiet betriebenen Jagd mit Pfeil und Bogen. Einem Vorschlag der Europäischen Union, die San in ein umfassenderes Projekts in Botswana einzubinden, wurde bisher noch nicht von der Regierung entsprochen.

Dabei könnten die einstigen Herren der Kalahari mit ihren einmaligen Naturkenntnissen den Öko-Tourismus durchaus bereichern. Von Angola bis zum Kap der Guten Hoffnung reichte ihr riesiges Jagdgebiet, das sie in kleinen Sippengemeinschaften durchstreiften. Wasser, Wild und die Verfügbarkeit pflanzlicher Nahrung bestimmten ihre Wanderungen.

Doch mit der Kolonialisierung wurde das kleinwüchsige Jäger- und Sammlervolk in Richtung Kalahari abgedrängt, wo noch heute ihre künstlerisch hoch stehenden Fels-Zeichnungen von ihrer Kultur zeugen. Die meisten gerieten in Abhängigkeit von den neuen schwarzen oder weißen Herren, vegetierten auf Farmen und in den Kraalen als billige Arbeiter oder Sklaven.

Auf etwa 90.000 wird die Zahl der beiden Hauptgruppen - Khoikhoi und San - geschätzt: 55.000 in Botswana, 35.000 in Namibia und 1000 in Südafrika. Dort hatten sie 1999 nach langem Rechtsstreit mehrere hundert Quadratkilometer Land zurück erhalten, das ihnen in seit der Kolonialzeit abgenommen war.

 Mehr Informationen:

Survival International

Gleichberechtigt in der Kalahari

Die Kunst der San

Kalahari (Reiseinformationen)

 

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