vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   P o l i t i k   &   G e s e l l s c h a f t

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 13.02.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frankfurt: Mit Geldbußen, roten Karten und Fingerspitzengefühl gegen Müllsünder

Als eine der ersten deutschen Großstädte geht Frankfurt schärfer gegen Müll-Sünder vor und gab den Startschuss für einen neuen Bußgeldkatalog.

Von Christian Ebner, dpa

Frankfurt/Main (dpa) - «Müll macht schlechte Laune» - meint Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und erhob diesen Satz daher zum Motto einer Reinhaltungsinitiative.

Wer von diesem Mittwoch an auf den Straßen der Finanzmetropole Zigarettenkippen, Kaugummis, Taschentücher oder anderen Kleinmüll wegwirft, muss mit Verwarngeldern zwischen 20 und 35 Euro (39 bis 68 Mark) rechnen, die von städtischen Hilfspolizisten eingetrieben werden. Noch teurer soll es mit einer Buße von bis zu 150 Euro bei Hundehaufen auf dem Gehweg und wildem Sperrmüll werden.

«Der Schmutz fällt nicht vom Himmel. Wir sind die Verunreiniger. Es muss selbstverständlich sein, dass man nichts wegwirft», mahnte Roth Bürger und Gäste der Stadt.

Zunächst haben die schwarzen Schafe noch ein wenig Zeit, bevor rund 120 städtische Hilfspolizisten Ernst machen sollen: In einer «weichen» Phase von drei Monaten erhalten die Müll-Sünder neben mündlichen Verwarnungen eine rote Pappkarte, auf der die künftigen Bußen aufgelistet sind. Begleitet wird dies von einer Plakataktion.

Die meisten Verantwortlichen in anderen deutschen Städten glauben einer dpa-Umfrage zufolge nicht, dass sich das Problem mit Bußgeldern lösen lässt, die ohnehin nur mit hohem Personalaufwand durchsetzbar seien. Die meisten Kommunen setzen daher weiterhin auf Appelle an die Bürgerschaft.

Die Hilfspolizisten in Frankfurt wollen künftig eher mit Fingerspitzengefühl als mit Staatsgewalt vorgehen. «Wir werden niemandem Handschellen wegen einer weggeworfenen Kippe anlegen», meint der Chef des Ordnungsdienstes, Reinhöld Döll. «Das muss alles verhältnismäßig sein.»

Roth setzt ohnehin eher auf den abschreckenden Effekt. «Wir hoffen, dass wir gar keine Knollen verteilen müssen.» Die bereits seit Jahren in der städtischen Verordnung enthaltenen Verwarn- und Bußgelder sind nach Darstellung Roths bislang nie durchgesetzt worden.

An erhöhte Strafen oder Arbeitseinsatz für Wiederholungstäter wie in Singapur werde am Main keinesfalls gedacht, versichern die städtischen Vertreter. In der Millionenstadt auf der malaysischen Halbinsel drohen Schmutzfinken Bußen von bis zu 5000 Singapur-Dollar (3130 Euro) und Arbeitseinsätze als Höchststrafen.

Auf der Straße kommt die Aktion gut an. «Das ist ganz richtig so», sagt etwa die Sachsenhäuserin Andrea Quandt. «Es ist doch wirklich nur eine kleine Mühe, das Kaugummi zum nächsten Mülleimer zu bringen.» Davon gibt es nach Meinung einer Touristin aus Leipzig in Frankfurt mehr als anderswo - auch dies eine Aktion der Bürgermeisterin, die mit dem Müll-Thema bereits in zwei Wahlkämpfen punkten konnte.

Rund 50 Millionen Euro geben Stadt, Verkehrsbetriebe und Deutsche Bahn jährlich für die Reinigung von Straßen, Plätzen und Bahn- Stationen in Frankfurt aus, hat Roths Sauberkeitsbeauftragter Peter Postleb zusammengerechnet.

Ihm gehen unter anderem die zahllosen Kaugummis (künftig 35 Euro) auf den Trottoirs auf die Nerven. Die schwarzen, ölhaltigen Flecken erwiesen sich zuletzt bei einer über 300 000 Mark teuren Reinigungsaktion auf der Einkaufstraße Zeil als sehr hartnäckig. «Wir müssen da wohl noch mal ran», sagt Postleb.

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den Hundehaufen (75 Euro), von denen die Müllabfuhr im vergangenen Jahr 1170 Tonnen entsorgen musste. «Mit der Hundesteuer ist da gar nichts abgegolten», macht Postleb klar. In Fußgängerzonen oder auf Kinderspielplätzen wird das sogar noch teurer: 150 Euro sind dann fällig.

 Lesen Sie auch:

Kommunen: Müll-Sünder zur Kasse bitten
zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft | Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung