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Weltwirtschaftsforum: Terror und Proteste
haben Themenspektrum verändert
Beim diesjährigen Treffen
des Weltwirtschaftsforums in New York ging es erstmals mehr um
Terror, Streit der Kulturen und Armutsbekämpfung als um Profite
und Wirtschaftswachstum.
Von Christiane Oelrich, dpa
New York (dpa) - In diesem Jahr
war alles anders beim Weltwirtschaftsforum. Erstmals in seiner
32-jährigen Geschichte fand das illustre Treffen tausender
Wirtschaftsbosse und Politiker nicht in der Abgeschiedenheit der
Schweizer Alpen in Davos statt, sondern mitten im pulsierenden
Leben von Manhattan. Erstmals ging es mehr um Terror, Kulturen-Streit
und Armutsbekämpfung als um Profite, Aktionäre und Wirtschaftswachstum.
«Die Leute sind sehr besorgt»,
stellte Forumsgründer und Präsident Klaus Schwab fest.
Die Terrorbedrohung und die immer weiter wachsende Kritik an der
Globalisierung lässt manchen Unternehmensboss seine Geschäftsstrategie
in Frage stellen.
Bono, der Sänger der Popgruppe
U2, der sich seit Jahren für den Schuldenerlass für
arme Länder stark macht, war der Stargast in New York. Bei
zahlreichen Podiumsdiskussionen war er die prominente Stimme der
Moral und erhielt dafür wärmsten Applaus.
Der Direktor des Internationalen
Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, feuerte eine Breitseite
gegen den Egoismus in den reichen Ländern. Seine scharfe
Attacke - «Die Gesellschaft in den reichen Ländern
ist zu egoistisch, um Vorteile aufzugeben» - erntete spontanen
Beifall.
Microsoft-Gründer Bill Gates,
der das Forum in den vergangenen Jahren dazu nutzte, immer fantastischere
Visionen über die Weltdominanz durch Computer und Microsoft
auszubreiten, war in diesem Jahr in Sachen Afrika unterwegs. Kein
Wort über die Software- Strategie von Gates, dafür dringende
Aufrufe zur Unterstützung des Kampfes gegen Aids. Gates hat
mit seiner Stiftung Hunderte Millionen Dollar für Medikamente
und Impfstoffforschung zur Verfügung gestellt.
Bei früheren Davoser Treffen
der Reichen und Mächtigen waren die Diskussionen über
Umwelt oder Kulturendialog oft Randerscheinungen, die in kleinen
Tagungsräumen stattfanden und als Feigenblatt- Veranstaltungen
belächelt wurden. Nicht so in New York: «Brücken
zwischen Kulturen schlagen», «Neue Prioritäten
der US-Außenpolitik», «Partnerschaft für
die Entwicklung Afrikas», «Verständnis für
den Ärger der Globalisierungsgegner» - alles stark
besuchte Veranstaltungen zur besten Tageszeit.
«Ich war der erste Anti-Globalisierer»,
sagte Schwab kürzlich in einem Interview. Er habe die Forderung
nach einer sozial verträglichen Globalisierung schon Mitte
der 90er Jahre auf die Tagesordnung gesetzt. Schließlich
steht «die Verbesserung der Welt» als Ziel in den
Gründungsakten des Forums.
Aus der Begeisterung für
derartige Veranstaltungen in früheren Jahren zu schließen,
betrachteten die Forumsmitglieder dies aber eher als Nebenprodukt
des Geschäftemachens. In New York rückten Fragen über
die soziale Verantwortung der Megakonzerne dagegen erstmals deutlich
in den Mittelpunkt. Und die Wirtschaftsbosse diskutierten besorgt.
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