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- 04.02.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weltwirtschaftsforum: Terror und Proteste haben Themenspektrum verändert

Beim diesjährigen Treffen des Weltwirtschaftsforums in New York ging es erstmals mehr um Terror, Streit der Kulturen und Armutsbekämpfung als um Profite und Wirtschaftswachstum.

Von Christiane Oelrich, dpa

New York (dpa) - In diesem Jahr war alles anders beim Weltwirtschaftsforum. Erstmals in seiner 32-jährigen Geschichte fand das illustre Treffen tausender Wirtschaftsbosse und Politiker nicht in der Abgeschiedenheit der Schweizer Alpen in Davos statt, sondern mitten im pulsierenden Leben von Manhattan. Erstmals ging es mehr um Terror, Kulturen-Streit und Armutsbekämpfung als um Profite, Aktionäre und Wirtschaftswachstum.

«Die Leute sind sehr besorgt», stellte Forumsgründer und Präsident Klaus Schwab fest. Die Terrorbedrohung und die immer weiter wachsende Kritik an der Globalisierung lässt manchen Unternehmensboss seine Geschäftsstrategie in Frage stellen.

Bono, der Sänger der Popgruppe U2, der sich seit Jahren für den Schuldenerlass für arme Länder stark macht, war der Stargast in New York. Bei zahlreichen Podiumsdiskussionen war er die prominente Stimme der Moral und erhielt dafür wärmsten Applaus.

Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, feuerte eine Breitseite gegen den Egoismus in den reichen Ländern. Seine scharfe Attacke - «Die Gesellschaft in den reichen Ländern ist zu egoistisch, um Vorteile aufzugeben» - erntete spontanen Beifall.

Microsoft-Gründer Bill Gates, der das Forum in den vergangenen Jahren dazu nutzte, immer fantastischere Visionen über die Weltdominanz durch Computer und Microsoft auszubreiten, war in diesem Jahr in Sachen Afrika unterwegs. Kein Wort über die Software- Strategie von Gates, dafür dringende Aufrufe zur Unterstützung des Kampfes gegen Aids. Gates hat mit seiner Stiftung Hunderte Millionen Dollar für Medikamente und Impfstoffforschung zur Verfügung gestellt.

Bei früheren Davoser Treffen der Reichen und Mächtigen waren die Diskussionen über Umwelt oder Kulturendialog oft Randerscheinungen, die in kleinen Tagungsräumen stattfanden und als Feigenblatt- Veranstaltungen belächelt wurden. Nicht so in New York: «Brücken zwischen Kulturen schlagen», «Neue Prioritäten der US-Außenpolitik», «Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas», «Verständnis für den Ärger der Globalisierungsgegner» - alles stark besuchte Veranstaltungen zur besten Tageszeit.

«Ich war der erste Anti-Globalisierer», sagte Schwab kürzlich in einem Interview. Er habe die Forderung nach einer sozial verträglichen Globalisierung schon Mitte der 90er Jahre auf die Tagesordnung gesetzt. Schließlich steht «die Verbesserung der Welt» als Ziel in den Gründungsakten des Forums.

Aus der Begeisterung für derartige Veranstaltungen in früheren Jahren zu schließen, betrachteten die Forumsmitglieder dies aber eher als Nebenprodukt des Geschäftemachens. In New York rückten Fragen über die soziale Verantwortung der Megakonzerne dagegen erstmals deutlich in den Mittelpunkt. Und die Wirtschaftsbosse diskutierten besorgt.

 Mehr Informationen:

World Economic Forum

Porto Alegre 2002

Weltsozialforum

vista verde: Globalisierung

 

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