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- 01.02.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Atomenergie: Bundesrat besiegelt den Ausstieg

Der Bundesrat hat den Ausstieg Deutschlands aus
der Atomkraft binnen 20 Jahren besiegelt.

Berlin (dpa) - Nach dem Bundestag passierte die Novelle des Atomgesetzes am Freitag auch die Länderkammer. Das letzte der 19 Atomkraftwerke soll damit etwa 2021 vom Netz gehen. Das Gesetz setzt den Atomkonsens zwischen der rot-grünen Bundesregierung und der Energiewirtschaft vom Juni 2001 über den schrittweisen Ausstieg aus der Atomkraft um.

Acht Monate vor der Bundestagswahl löste die rot-grüne Bundesregierung damit eines ihrer zentralen Wahlversprechen ein. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die ihrer Ansicht nach zu langen Restlaufzeiten für die Atomkraft- werke.

Stade soll 2003 als erstes Kraftwerk abgeschaltet werden

Transporte von radioaktiven Abfällen in die Wiederaufarbeitung sind nur noch bis zum 1. Juli 2005 zulässig. Betreiber eines Atomkraftwerks müssen künftig ein standortnahes Zwischen- lager für die abgebrannten Brennelemente errichten. In Stade soll 2003 das erste Kraftwerk abgeschaltet werden. Der Neubau von Atomkraftwerken wird verboten.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte, in keinem anderen Gebiet der Politik habe die Regierung einen «so fundamentalen Wechsel herbeigeführt, wie in der Energie- politik». Deutschland steige in der Europäischen Union nicht im Alleingang aus der Kernkraft aus, dafür aber am schnellsten. Mit Blick auf die Terroranschläge in den USA am 11. September verwies der Minister auf die Risiken der Atomkraft.

CSU: Option für die Atomenergie offen halten

Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) kritisierte im Bundesrat, dass mit der Entscheidung für den Atomausstieg die ehrgeizigen Klimaschutzziele nicht erreicht werden könnten. Die erneuerbaren Energien könnten in den nächsten Jahren den Anteil an Atomstrom, der frei von Kohlendioxid produziert wird, nicht ersetzen. In absehbarer Zeit müsse deshalb die Option für die Atomenergie offen gehalten werden.

Das CDU/FDP-geführte Hessen bezeichnete die Zwischen- lagerung an den Kernkraftwerken als «Scheinlösung, die das Entsorgungsproblem über das ganze Land verteilt».

Trittin wies die Zweifel an der Erreichbarkeit der Klimaschutz- ziele zurück. Kern der von Rot-Grün angestrebten Energiewende sei eine dezentrale Versorgung, Energieeffizienz und der Ausbau der erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne und Biomasse.

Mehr als 100.000 Menschen arbeiteten bereits im Bereich der erneuerbaren Energien. Die Branche könne dem Vergleich mit dem Sektor der Atomenergie durchaus standhalten.

Atomforum: Gorleben als Endlager geeignet

Kritik übte Trittin an Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Dieser hatte angedeutet, im Falle eines Sieges bei den Bundestagswahlen als neuer Bundeskanzler den Atomausstiegs-Beschluss rückgängig zu machen. Das Risiko der Atomkraft würde damit auf unbestimmte Zeit bestehen bleiben, sagte Trittin. «Atom hat keine Zukunft mehr, nur scheint diese Weisheit etwas verspätet in Bayern angekommen zu sein.»

Der Präsident des Deutschen Atomforums, Gert Maichel, hatte den mit der Energiewirtschaft vereinbarten Atomausstieg zuvor erneut als Fehler bezeichnet. Früher oder später sei eine Kehrtwende zu erwarten.

Das RWE-Vorstandsmitglied hatte sich dafür ausgesprochen, den Stopp der Erkundung des Salzstockes Gorleben so schnell wie möglich aufzuheben. Gorleben sei als Endlager für Atommüll geeignet.

 Mehr Informationen:

Bundesumwelt- ministerium

vista verde: Atomenergie

 

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