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- 25.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rau mahnt Industrieländer: Afrika nicht vernachlässigen

Bundespräsident Johannes Rau hat die reichen Industrie- länder aufgerufen, ihrer Verantwortung für den jahrelang vernachlässigten afrikanischen Kontinent nachzukommen.

Bamako (dpa) - «Im vergangenen Jahrzehnt haben die Länder des Nordens ihre politische und moralische Pflicht zur Unter- stützung Afrikas nicht so wahrgenommen, wie das richtig gewesen wäre», sagte Rau am Freitag vor der National- versammlung Malis in der Hauptstadt Bamako.

Rau, der am Donnerstag zu einem viertägigen Staatsbesuch in das westafrikanische Land gekommen war, ist nach Nelson Mandela das zweite ausländische Staatsoberhaupt, das vor dem Parlament sprechen durfte.

Rau erinnerte an das 1970 gemachte Versprechen der reicheren Länder, 0,7 Prozent ihres Volkseinkommens für die Entwick- lungshilfe zur Verfügung zu stellen. «Kaum ein Land hat dieses Ziel bis heute erreicht. Das ist eine traurige Wahrheit.»

Die reichen Länder müssten aber an diesem Ziel festhalten, forderte Rau in seiner Rede, die vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk Malis übertragen wurde. Mali zählt zu den zehn ärmsten Länder der Welt. Etwa zwei Drittel der 11 Millionen Malier leben von weniger als einem Dollar am Tag.

«Das darf niemanden gleichgültig lassen, am wenigsten uns Europäer», sagte Rau zu der Armut der meisten Völker Afrikas. Die mit der Unabhängigkeit der Kolonien verbundenen Hoffnun- gen hätten sich nicht erfüllt.

Nach dem Ende der Kolonialzeit seien neue Konflikte ausge- brochen mit schlimmen Folgen für Ordnung, Sicherheit und Stabilität. Europa und Afrika hätten die Chance für eine gute Entwicklung nicht genutzt. «Jetzt bietet sich uns eine zweite Chance», sagte Rau vor den mehr als 100 Abgeordneten, die meist in ihren traditionellen Gewändern ins Parlament gekommen waren.


© dpa

Etwas skeptisch schaut Bundespräsident Johannes Rau mit seiner Frau Christina auf das gewaltige Gehörn eines Zebu-Rindes, das er von Parlamentspräsident Ali Nouhoum Diallo (r) als Gastgeschenk erhalten hat.

Zuvor hatte der Bundespräsident im Gespräch mit Staats- präsident Alpha Oumar Konaré betont, er wolle mit seinem Besuch deutlich machen, «dass sich Deutschland Afrika stärker zuwenden wird und dabei besonders den Ländern widmet, die sich um Demokratie und Stabilität bemühen».

Konaré sagte, die Zusammenarbeit beider Länder seien auf «Spitzenniveau» und dankte für die Hilfe bei der Wasser- und Landwirtschaft sowie beim Schutz der natürlichen Ressourcen.

In seiner Rede bezeichnete Rau die Initiative «Neue Partner- schaft für die Entwicklung Afrikas» als einen mutigen und zukunftsweisenden Schritt. «Damit haben die Staaten Afrikas einen Weg eingeschlagen, auf dem wir sie gerne begleiten und unterstützen wollen.»

Um Afrikas Schuldenlast zu mindern, hätten die acht führenden Industriestaaten (G 8) auf Vorschlag Deutschlands eine umfassende Initiative zur Entschuldung gestartet. Davon profitierten mehr als 20 afrikanische Länder, auch Mali.

Rau hob die Gefahren von weit verbreiteten Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose hervor. «Diese Krankheiten, die zum Teil seuchenartige Ausmaße angenommen haben, untergraben alle Anstrengungen für eine nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.»

Der Erfolg des im Sommer 2001 ins Leben gerufene Fonds für die Bekämpfung dieser Krankheiten hänge entscheidend von der Aufklärung ab. Rau kritisierte, dass in Afrika die Aufklärung vor allem über Aids auf Tabus stoße.

Ausdrücklich würdigte Rau die demokratische Entwicklung Malis nach dem Ende der Diktatur 1991.

 Mehr Informationen:

Der Bundespräsident

Spiegel Almanach: Mali

vista verde: Entwicklung

 

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