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Rau mahnt Industrieländer: Afrika
nicht vernachlässigen
Bundespräsident Johannes
Rau hat die reichen Industrie- länder aufgerufen, ihrer Verantwortung
für den jahrelang vernachlässigten afrikanischen Kontinent
nachzukommen.
Bamako (dpa) - «Im vergangenen
Jahrzehnt haben die Länder des Nordens ihre politische und
moralische Pflicht zur Unter- stützung Afrikas nicht so wahrgenommen,
wie das richtig gewesen wäre», sagte Rau am Freitag
vor der National- versammlung Malis in der Hauptstadt Bamako.
Rau, der am Donnerstag zu einem
viertägigen Staatsbesuch in das westafrikanische Land gekommen
war, ist nach Nelson Mandela das zweite ausländische Staatsoberhaupt,
das vor dem Parlament sprechen durfte.
Rau erinnerte an das 1970 gemachte
Versprechen der reicheren Länder, 0,7 Prozent ihres Volkseinkommens
für die Entwick- lungshilfe zur Verfügung zu stellen.
«Kaum ein Land hat dieses Ziel bis heute erreicht. Das ist
eine traurige Wahrheit.»
Die reichen Länder müssten
aber an diesem Ziel festhalten, forderte Rau in seiner Rede, die
vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk Malis übertragen
wurde. Mali zählt zu den zehn ärmsten Länder der
Welt. Etwa zwei Drittel der 11 Millionen Malier leben von weniger
als einem Dollar am Tag.
«Das darf niemanden gleichgültig
lassen, am wenigsten uns Europäer», sagte Rau zu der
Armut der meisten Völker Afrikas. Die mit der Unabhängigkeit
der Kolonien verbundenen Hoffnun- gen hätten sich nicht erfüllt.
Nach dem Ende der Kolonialzeit
seien neue Konflikte ausge- brochen mit schlimmen Folgen für
Ordnung, Sicherheit und Stabilität. Europa und Afrika hätten
die Chance für eine gute Entwicklung nicht genutzt. «Jetzt
bietet sich uns eine zweite Chance», sagte Rau vor den mehr
als 100 Abgeordneten, die meist in ihren traditionellen Gewändern
ins Parlament gekommen waren.

© dpa
Etwas skeptisch
schaut Bundespräsident Johannes Rau mit seiner Frau
Christina auf das gewaltige Gehörn eines Zebu-Rindes,
das er von Parlamentspräsident Ali Nouhoum Diallo
(r) als Gastgeschenk erhalten hat.
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Zuvor hatte der Bundespräsident
im Gespräch mit Staats- präsident Alpha Oumar Konaré
betont, er wolle mit seinem Besuch deutlich machen, «dass
sich Deutschland Afrika stärker zuwenden wird und dabei besonders
den Ländern widmet, die sich um Demokratie und Stabilität
bemühen».
Konaré sagte, die Zusammenarbeit
beider Länder seien auf «Spitzenniveau» und dankte
für die Hilfe bei der Wasser- und Landwirtschaft sowie beim
Schutz der natürlichen Ressourcen.
In seiner Rede bezeichnete Rau
die Initiative «Neue Partner- schaft für die Entwicklung
Afrikas» als einen mutigen und zukunftsweisenden Schritt.
«Damit haben die Staaten Afrikas einen Weg eingeschlagen,
auf dem wir sie gerne begleiten und unterstützen wollen.»
Um Afrikas Schuldenlast zu mindern,
hätten die acht führenden Industriestaaten (G 8) auf
Vorschlag Deutschlands eine umfassende Initiative zur Entschuldung
gestartet. Davon profitierten mehr als 20 afrikanische Länder,
auch Mali.
Rau hob die Gefahren von weit
verbreiteten Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose hervor.
«Diese Krankheiten, die zum Teil seuchenartige Ausmaße
angenommen haben, untergraben alle Anstrengungen für eine
nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.»
Der Erfolg des im Sommer 2001
ins Leben gerufene Fonds für die Bekämpfung dieser Krankheiten
hänge entscheidend von der Aufklärung ab. Rau kritisierte,
dass in Afrika die Aufklärung vor allem über Aids auf
Tabus stoße.
Ausdrücklich würdigte
Rau die demokratische Entwicklung Malis nach dem Ende der Diktatur
1991.
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