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Afghanistan: Sorge mischt sich in die
Freude über das Füllhorn von Tokio
Die Freude über die in
Tokio von den Geberländern versprochene internationale Hilfe
ist in Afghanistan riesengroß. Doch in die Genugtuung mischt
sich bei vielen Afghanen auch die Sorge, ob das Geld tatsächlich
für die wirklich wichtigen Dinge verwendet wird.
Von Joe Cochrane, dpa
Kabul (dpa) - Viele Menschen
haben den Fortgang der Tokioter Konferenz, auf der dem geschundenen
Land am Hindukusch 4,5 Milliarden Dollar (5,1 Euro) zugesagt wurden,
über Radio aufmerksam verfolgt oder über Freunde davon
gehört.
Die Vorstellungen der Afghanen
über die richtige Verwendung der Finanzen sind klar: Schulen,
Krankenhäuser, Straßen und Brücken sollen schnellstmöglich
wieder aufgebaut werden - allerdings ohne dass sich korrupte Regierungsbeamte
oder «lokale Kriegsherren» dabei unrechtmäßig
ihre Taschen füllen.
«Die internationale Gemeinschaft
muss sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie sie das
Geld am effektivsten und besten verteilt», sagt Restaurantbesitzer
Sayed Abrahim und verweist darauf, dass bewaffnete Männer
Weizen gestohlen hätten, der von den Vereinten Nationen gespendet
worden war.
Yalda, Mutter dreier Kinder,
denkt schon weiter. Ihrer Meinung nach sollten die UN und die
USA sogar ein Kontrollorgan einrichten, um damit die ordnungsgemäße
Verteilung der Gelder zu überwachen und den Missbrauch zu
verhindern. «Wir vertrauen darauf, dass die Regierung das
Geld richtig einsetzt, aber trotzdem sollte das kontrolliert werden»,
sagt sie.
Für den Schuhverkäufer
Mohammed Hossain ist der Wiederaufbau der Fabriken in und um die
Hauptstadt Kabul am wichtigsten. Zu viele Menschen hier seien
arbeitslos. «Wir brauchen den Wiederaufbau der Fabriken
- und außerdem einen Fonds, um den vielen Kriegswaisen zu
helfen», sagt Hossain.
Bis Afghanistan über eine
einigermaßen funktionierende Wirtschaft oder Industrie verfügt,
wird es allerdings noch Jahre dauern. Denn das Hauptaugenmerk
wird zunächst einmal auf der Eröffnung von Schulen,
dem Räumen von Minenfeldern, der Hilfe in der Landwirtschaft
sowie der Rückführung der über vier Millionen Flüchtlinge
aus Pakistan und Iran liegen. Noch immer ist das Land gefährlich,
und ohne irgendwelche Gesetze, die Sicherheit garantieren, werden
kaum ausländische Investoren nach Afghanistan kommen.
Trotzdem kann die Geberkonferenz
in Tokio als ein Anfang betrachtet werden. Japan, die USA, die
Europäische Union und Saudi-Arabien stellen den größten
Teil der Afghanistan-Unter- stützung, die mit rund 15 Milliarden
Dollar in den nächsten zehn Jahren veranschlagt wird. Ein
Großteil soll für die Beseitigung von Landminen, den
Wiederaufbau des Gesundheits- und Bildungswesens sowie den Aufbau
der Infrastruktur verwendet werden.
Der Arbeiter Abdul Ahat ist sich
sicher, dass Afghanistan den Wiederaufbau schaffen kann - aber
nur dann, wenn sich keine Nachbarländer mehr wie in der Zeit
des Bürgerkriegs in den 90er Jahren einmischen. «Amerika
darf nicht mehr zulassen, dass Länder wie Pakistan, Saudi-Arabien
und Indien uns noch einmal angreifen», sagt er.
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