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- 22.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Afghanistan: Sorge mischt sich in die Freude über das Füllhorn von Tokio

Die Freude über die in Tokio von den Geberländern versprochene internationale Hilfe ist in Afghanistan riesengroß. Doch in die Genugtuung mischt sich bei vielen Afghanen auch die Sorge, ob das Geld tatsächlich für die wirklich wichtigen Dinge verwendet wird.

Von Joe Cochrane, dpa

Kabul (dpa) - Viele Menschen haben den Fortgang der Tokioter Konferenz, auf der dem geschundenen Land am Hindukusch 4,5 Milliarden Dollar (5,1 Euro) zugesagt wurden, über Radio aufmerksam verfolgt oder über Freunde davon gehört.

Die Vorstellungen der Afghanen über die richtige Verwendung der Finanzen sind klar: Schulen, Krankenhäuser, Straßen und Brücken sollen schnellstmöglich wieder aufgebaut werden - allerdings ohne dass sich korrupte Regierungsbeamte oder «lokale Kriegsherren» dabei unrechtmäßig ihre Taschen füllen.

«Die internationale Gemeinschaft muss sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie sie das Geld am effektivsten und besten verteilt», sagt Restaurantbesitzer Sayed Abrahim und verweist darauf, dass bewaffnete Männer Weizen gestohlen hätten, der von den Vereinten Nationen gespendet worden war.

Yalda, Mutter dreier Kinder, denkt schon weiter. Ihrer Meinung nach sollten die UN und die USA sogar ein Kontrollorgan einrichten, um damit die ordnungsgemäße Verteilung der Gelder zu überwachen und den Missbrauch zu verhindern. «Wir vertrauen darauf, dass die Regierung das Geld richtig einsetzt, aber trotzdem sollte das kontrolliert werden», sagt sie.

Für den Schuhverkäufer Mohammed Hossain ist der Wiederaufbau der Fabriken in und um die Hauptstadt Kabul am wichtigsten. Zu viele Menschen hier seien arbeitslos. «Wir brauchen den Wiederaufbau der Fabriken - und außerdem einen Fonds, um den vielen Kriegswaisen zu helfen», sagt Hossain.

Bis Afghanistan über eine einigermaßen funktionierende Wirtschaft oder Industrie verfügt, wird es allerdings noch Jahre dauern. Denn das Hauptaugenmerk wird zunächst einmal auf der Eröffnung von Schulen, dem Räumen von Minenfeldern, der Hilfe in der Landwirtschaft sowie der Rückführung der über vier Millionen Flüchtlinge aus Pakistan und Iran liegen. Noch immer ist das Land gefährlich, und ohne irgendwelche Gesetze, die Sicherheit garantieren, werden kaum ausländische Investoren nach Afghanistan kommen.

Trotzdem kann die Geberkonferenz in Tokio als ein Anfang betrachtet werden. Japan, die USA, die Europäische Union und Saudi-Arabien stellen den größten Teil der Afghanistan-Unter- stützung, die mit rund 15 Milliarden Dollar in den nächsten zehn Jahren veranschlagt wird. Ein Großteil soll für die Beseitigung von Landminen, den Wiederaufbau des Gesundheits- und Bildungswesens sowie den Aufbau der Infrastruktur verwendet werden.

Der Arbeiter Abdul Ahat ist sich sicher, dass Afghanistan den Wiederaufbau schaffen kann - aber nur dann, wenn sich keine Nachbarländer mehr wie in der Zeit des Bürgerkriegs in den 90er Jahren einmischen. «Amerika darf nicht mehr zulassen, dass Länder wie Pakistan, Saudi-Arabien und Indien uns noch einmal angreifen», sagt er.

 Mehr Informationen:

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

 

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