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Nüsslein-Volhard: Deutschland sollte
eigene Stammzelllinien erwägen
Deutschland sollte nach Ansicht
der Tübinger Nobel- preisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard
erwägen,
die Gewinnung embryonaler Stammzelllinien zu Forschungszwecken
zu erlauben.
Frankfurt/Main (dpa) - Die Entwicklungsbiologin
bezweifelte in einem Interview mit «Faz.net», der
Online-Ausgabe der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»,
dass die weltweit derzeit existierenden Zelllinien für die
Forschung ausreichen werden.
«Wenn Wissenschaftler auf
Dauer die Forschung erfolgreich betreiben sollen, brauchen sie
mehr Freiheit. Dann muss es auch erlaubt sein, neue Zelllinien
herzustellen», sagte sie in dem am Mittwoch veröffentlichten
Gespräch.
«Es ist noch unklar, ob
die Labors, die über Stammzellen verfügen, diese überhaupt
hergeben wollen. Verschenken werden sie die Stammzellen sicher
nicht.» Auch deshalb sollte man darüber nachdenken,
in Deutschland selbst Stammzelllinien zu schaffen.
Die Gewinnung embryonaler Stammzellen
ist derzeit in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten.
Der Bundestag will Ende Januar über den bislang nicht verbotenen
Import embryonaler Stammzellen entscheiden.
Der Bonner Neurobiologe Oliver
Brüstle möchte Stammzellen importieren und hat dafür
einen Förderantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) gestellt. Die DFG hatte ihre Ent- scheidung über den
Antrag auf Bitten aus der Politik mehrfach verschoben. Sie soll
nun nach der Bundestagsdebatte fallen.
Forscherkollegen im Ausland verstünden
die deutsche Debatte nicht, sagte Nüsslein-Volhard. «Die
schmunzeln über die Deutschen und ihre Befindlichkeit. Damit
verliert die deutsche Forschung an Prestige.» Die Leiterin
des Tübinger Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie
wandte sich gegen ein deutsches Ausscheiden aus der Stammzellforschung.
Ein solcher Alleingang wäre für Deutschland sehr schlecht.
Die Forscherin sprach sich jedoch
gegen das therapeutische Klonen aus, für das ein Embryo eigens
erzeugt wird, um Ersatzgewebe zu züchten. Das Klonen ganzer
Menschen hält Nüsslein-Volhard für völlig
unwahrscheinlich. Entsprechende Pläne des italienischen Arztes
Severino Antinori benötigten bei weitem zu viele Versuche.
«Antinori ist außerdem
ein schlechter Wissenschaftler, der nicht versteht, dass er es
selbst mit viel Probieren nicht schaffen würde. Er ist größenwahnsinnig.»
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