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- 09.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

Nüsslein-Volhard: Deutschland sollte eigene Stammzelllinien erwägen

Deutschland sollte nach Ansicht der Tübinger Nobel- preisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard erwägen,
die Gewinnung embryonaler Stammzelllinien zu Forschungszwecken zu erlauben.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Entwicklungsbiologin bezweifelte in einem Interview mit «Faz.net», der Online-Ausgabe der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», dass die weltweit derzeit existierenden Zelllinien für die Forschung ausreichen werden.

«Wenn Wissenschaftler auf Dauer die Forschung erfolgreich betreiben sollen, brauchen sie mehr Freiheit. Dann muss es auch erlaubt sein, neue Zelllinien herzustellen», sagte sie in dem am Mittwoch veröffentlichten Gespräch.

«Es ist noch unklar, ob die Labors, die über Stammzellen verfügen, diese überhaupt hergeben wollen. Verschenken werden sie die Stammzellen sicher nicht.» Auch deshalb sollte man darüber nachdenken, in Deutschland selbst Stammzelllinien zu schaffen.

Die Gewinnung embryonaler Stammzellen ist derzeit in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Der Bundestag will Ende Januar über den bislang nicht verbotenen Import embryonaler Stammzellen entscheiden.

Der Bonner Neurobiologe Oliver Brüstle möchte Stammzellen importieren und hat dafür einen Förderantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gestellt. Die DFG hatte ihre Ent- scheidung über den Antrag auf Bitten aus der Politik mehrfach verschoben. Sie soll nun nach der Bundestagsdebatte fallen.

Forscherkollegen im Ausland verstünden die deutsche Debatte nicht, sagte Nüsslein-Volhard. «Die schmunzeln über die Deutschen und ihre Befindlichkeit. Damit verliert die deutsche Forschung an Prestige.» Die Leiterin des Tübinger Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie wandte sich gegen ein deutsches Ausscheiden aus der Stammzellforschung. Ein solcher Alleingang wäre für Deutschland sehr schlecht.

Die Forscherin sprach sich jedoch gegen das therapeutische Klonen aus, für das ein Embryo eigens erzeugt wird, um Ersatzgewebe zu züchten. Das Klonen ganzer Menschen hält Nüsslein-Volhard für völlig unwahrscheinlich. Entsprechende Pläne des italienischen Arztes Severino Antinori benötigten bei weitem zu viele Versuche.

«Antinori ist außerdem ein schlechter Wissenschaftler, der nicht versteht, dass er es selbst mit viel Probieren nicht schaffen würde. Er ist größenwahnsinnig.»

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Informationen:

FAZ.NET

vista verde: Gentechnologie

 

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