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- 07.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NABU: Agrarwende kommt an

Die Agrarwende der Bundesregierung kommt nach Darstellung des Naturschutzbundes NABU trotz Widerstände der Agrarlobby bei den Bauern an.

Berlin/München (dpa) - Wie der NABU am Montag in Berlin erläuterte, ist das Einkommen der Haupterwerbslandwirte im vergangenen Jahr - trotz der Nahrungsmittelskandale - um 21 Prozent gestiegen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) räumte in München ein, dass die Einkommenslage der Bauern derzeit besser ist als die Stimmung.

DBV-Präsident Gerd Sonnleitner sagte in einer Bilanz des «BSE- Krisenjahres» 2001, Sorge bereite die große Zurückhaltung bei den Netto-Investitionen in der Landwirtschaft. Die Bauern seien durch einen «Künast-Effekt» verunsichert und würden Teile ihres Kapitals in nicht landwirtschaftliche Bereiche investieren. Durch den «Kampfbegriff» einer «Agrarwende» sähen sich die Landwirte diffamiert.

NABU-Agrarexperte Florian Schöne hielt dem entgegen: «Den Bauern geht es nicht so schlecht, wie es der Bauernverband darstellt.» Die Organisation verlangte eine konsequente Fortsetzung der Agrarwende nach den Bundestagswahlen im September.

Die FDP warnte: «Agrarpolitik ist keine Umweltpolitik zweiter Klasse.» Die Landwirtschaft werde mit immer neuen umweltpolitischen Forderungen überzogen, kritisierte die FDP-Bundestagsabgeordnete Marita Sehn. Dabei werde ihr eigentliches Ziel aus den Augen verloren: «Die Bevölkerung mit hochwertigen und sicheren Nahrungsmitteln zu versorgen und den Landwirten eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten.»

Der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrich Heinrich, sagte, zurecht beklage der Bauernpräsident, dass der «Künast-Effekt» bis zu 50 000 Arbeitsplätze koste. «Die Politik der neuen Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) hat die Wettbewerbsbedingungen der heimischen Produzenten in kürzester Zeit dramatisch verschlechtert.»

Der NABU warf den Liberalen vor, die konventionelle Landwirtschaft gegen die Ökobauern auszuspielen. Zugleich beklagte die Organisation, dass die Anträge für den Bau von «Agrarfabriken» - besonders in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - wieder deutlich zugenommen hätten. Die Naturschützer sehen auch bei Kontrolle und Ahndung von Verstößen gegen das landwirtschaftliche Fachrecht erhebliche Defizite bei Bund und Ländern. Sie nannten dabei vor allem die Düngemittelverordnung.

Auch Bauernpräsident Sonnleitner warf der Ministerin «nationale Alleingänge» zu Lasten der deutschen Landwirtschaft vor. Er forderte Künast auf, für eine Harmonisierung der Vorschriften in Europa zu sorgen und nicht einseitig - wie bei der Legehennenverordnung - die Bauern zu belasten. Dadurch werde deren ökonomische Kraft geschwächt. Für das laufende Wirtschaftsjahr erwartet Sonnleitner einen Rückgang der bäuerlichen Einkommen.

NABU-Geschäftsführer Gerd Billen lobte dagegen die seit einem Jahr amtierende Ministerin. Ihr sei es gelungen, Verkrustungen aufzubrechen und den Einfluss der Agrarindustrie und des Deutschen Bauernverbandes zurückzudrängen. Künast habe wichtige Fragestellungen in der Agrarpolitik aufgegriffen und sorgt durch die Einrichtung von Kontrollbehörden dafür, dass man künftig bei Skandalen und Krisen wie der Rinderseuche BSE und der Maul- und Klauenseuche besser umgehen könne. Sollten die Grünen an der nächsten Bundesregierung nicht beteiligt sein, könnte sich möglicherweise das Tempo der Agrarwende verlangsamen, eine Umkehr sei aber kaum zu befürchten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Informationen:

NABU

DBV

FDP

Verbraucherministerium

vista verde: Landwirtschaft

 

 

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NABU: «Dinosaurier 2001» an Bauernpräsident Sonnleitner

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