Bald kalifornische Grauwale vor Großbritannien?
Britische Wissenschaftler wollen 50 Grauwale
aus Kalifornien an die Küsten Großbritanniens umsiedeln,
damit die Art im Atlantik wieder heimisch wird. Walschützer
kritisieren die Idee.
(vv) - Berichten der britischen Presse zufolge haben Wissenschaftler
der University of Central Lancashire vorgeschlagen, 50 ostpazifische
Grauwale aus Kalifornien an die Küsten Großbritanniens
umzusiedeln. Damit soll die Tierart, die früher auch in europäischen
Gewässern gelebt hat, wieder angesiedelt werden, berichtete
die BBC. Technisch sei es kein Problem, die Meeressäuger
von Kalifornien nach Europa zu fliegen. Auch der heimischen Walbeobachtungsindustrie
soll so zu einem Aufschwung verholfen werden. Walschützer
kritisieren die Idee.
"Dieses Vorhaben ist weder durchführbar noch in irgendeiner
Weise sinnvoll. Man könnte fast denken, dass es sich um einen
Aprilscherz handelt" sagte Nicolas Entrup, Geschäftsführer
der Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS in Deutschland.

© ArtToday
Grauwal: Whale watching vor
der Baja California
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Grauwale sind laut Entrup in den Gewässern des Atlantik
vor Jahrzehnten ausgestorben. Die Population im Ostpazifik sei
jedoch an den speziellen Lebensraum vor der nordamerikanischen
Küste angepasst. Sie führten die längsten saisonalen
Wanderungen in diesem Gebiet über tausende Kilometer durch,
um Nahrungsgründe im Norden und Aufzuchtsgebiete im wärmeren
Süden aufzusuchen.
"Wir können nicht annehmen, dass die Tiere in der
Lage sein werden, sich im Atlantik erfolgreich zurecht zu finden
und zu überleben. Man kann eine Art in einem Gebiet nicht
einfach wieder einführen, indem man Wale aus anderen Gegenden
einmal um die Welt fliegt. Auf diese Weise erscheint Walschutz
um einiges simpler als es in Wirklichkeit ist", kritisierte
Entrup.
Die WDCS ist weiterhin besorgt, dass die bis zu 14 Meter langen
und 35 Tonnen schweren Tiere beim Transport großem Stress
ausgesetzt werden und zu Schaden kommen. Die Walschutzorganisation
befürchtet auch, dass die Entnahme von Tieren auch für
die Population im Ostpazifik ein Problem darstellen könnte.
Nach Angaben der Forscher von der University of Central Lancashire
hat die Population des kalifornischen Grauwals jedoch in der Zwischenzeit
die Größe von rund 26.000 Spezies erreicht. Damit sei
der kritische Punkt überschritten.
Der Vorschlag der Wissenschaftler soll beim 19. Treffen der
"Society for Conservation Biology" in Brasilien vorgestellt
werden. Das Ziel der Umsiedlung sei auch die Schaffung von Hunderten
Arbeitsplätzen in der Walbeobachtungsindustrie, um zerstörte
Fischereigemeinden auf den Britischen Inseln wieder aufzubauen.
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