Dessau: Bisher unbekannte Schwebfliege entdeckt
Wissenschaftler des Umweltforschungszentrum
Leipzig-Halle haben in der Nähe von Dessau ein neues Insekt
entdeckt.
(jkm) - Bei dem Fund handelt sich um eine extrem seltene Schwebfliege,
von der bisher nur sechs Exemplare gefunden wurden. Die neue Art
Brachyopa silviae (Silvias Baumsaftschwebfliege) gehört zur
Gattung der Baumsaftschwebfliegen. Es gibt in Europa lediglich
13 Arten dieser Insekten. Ihre Larven ernähren sich von Bakterien
und anderen Mikroorganismen im Saft an Bäumen. Diese entstehen
durch Verletzungen der Rinde und kommt am häufigsten an sehr
alten Bäumen vor.
"Die Entdeckung einer noch unbekannten Tierart mitten im
Herzen von Deutschland unterstreicht die Bedeutung der Erforschung
der Artenvielfalt auch in Deutschland", so Dr. Frank Dziock
von der Abteilung Naturschutzforschung am Forschungszentrum. Im
Rahmen eines Forschungsprojektes hatte Dziock im Naturschutzgebiet
Saalberghau an der Elbe bei Dessau eine Insektenfalle aufgestellt.
Er wollte ermitteln, wie Schwebfliegen auf Überschwemmungen
reagieren. Beim Betrachten einer sieben Millimeter kleinen gefangenen
Fliege unter dem Mikroskop entdeckte Dziock, dass der Körperbau
des Tieres keiner der bereits bekannten Arten gleicht.
Alte Bäume wichtig für die Artenvielfalt
Vergleiche mit vier ähnlichen Arten aus den Naturkundemuseen
in Kopenhagen, Stockholm und Oxford sowie dem Deutschen Entomologischen
Institut halfen dem Forscher, die Unterschiede genau zu ermitteln.
Er identifizierte zwei Männchen im Biosphärenreservat
Flusslandschaft Elbe bei Dessau (Sachsen-Anhalt) sowie ein Weibchen
im Nationalpark Hainich (Thüringen). Anderen Insektenkundlern
gelang der Nachweis dieser Schwebfliege inzwischen auch in Hessen
und Rheinland-Pfalz.
"Es ist kein Zufall, dass wir diese Art gerade an geschützten
Standorten gefunden haben", sagt Dziock. Da diese Arten nicht
so anpassungsfähig und wenig mobil seien, kämen sie
heute nur noch inselartig in den Resten alter Urwälder vor.
Die zum Überleben nötigen Altholzstrukturen bilden sich
erst nach mindestens 120 Jahren heraus. Die meisten Bäume
in bewirtschafteten Wäldern werden jedoch bereits vor dem
Erreichen dieses Alters gefällt.
"Wo konventionelle Forstwirtschaft betrieben wird, hat
diese Art keine Chance zum Überleben", kritisiert Dziock;
"alles, was krank aussieht, wird entfernt. Aber gerade solche
alten Bäume sind es, an denen sich die Schleimflüsse
bilden, die diese Arten brauchen." Aus Sicht der Biologen
ist es deshalb notwendig, alte Bäume in den Wäldern
auf natürliche Art absterben zu lassen. Waldbestände
mit einem Alter von mehr als 180 Jahren machen in Deutschland
lediglich rund zwei Prozent aus. Das habe gravierende Folgen für
die Artenvielfalt, so Dziock.
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