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- 31.03.2005 -

 

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Dessau: Bisher unbekannte Schwebfliege entdeckt

Wissenschaftler des Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle haben in der Nähe von Dessau ein neues Insekt entdeckt.

(jkm) - Bei dem Fund handelt sich um eine extrem seltene Schwebfliege, von der bisher nur sechs Exemplare gefunden wurden. Die neue Art Brachyopa silviae (Silvias Baumsaftschwebfliege) gehört zur Gattung der Baumsaftschwebfliegen. Es gibt in Europa lediglich 13 Arten dieser Insekten. Ihre Larven ernähren sich von Bakterien und anderen Mikroorganismen im Saft an Bäumen. Diese entstehen durch Verletzungen der Rinde und kommt am häufigsten an sehr alten Bäumen vor.

"Die Entdeckung einer noch unbekannten Tierart mitten im Herzen von Deutschland unterstreicht die Bedeutung der Erforschung der Artenvielfalt auch in Deutschland", so Dr. Frank Dziock von der Abteilung Naturschutzforschung am Forschungszentrum. Im Rahmen eines Forschungsprojektes hatte Dziock im Naturschutzgebiet Saalberghau an der Elbe bei Dessau eine Insektenfalle aufgestellt. Er wollte ermitteln, wie Schwebfliegen auf Überschwemmungen reagieren. Beim Betrachten einer sieben Millimeter kleinen gefangenen Fliege unter dem Mikroskop entdeckte Dziock, dass der Körperbau des Tieres keiner der bereits bekannten Arten gleicht.

Alte Bäume wichtig für die Artenvielfalt

Vergleiche mit vier ähnlichen Arten aus den Naturkundemuseen in Kopenhagen, Stockholm und Oxford sowie dem Deutschen Entomologischen Institut halfen dem Forscher, die Unterschiede genau zu ermitteln. Er identifizierte zwei Männchen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe bei Dessau (Sachsen-Anhalt) sowie ein Weibchen im Nationalpark Hainich (Thüringen). Anderen Insektenkundlern gelang der Nachweis dieser Schwebfliege inzwischen auch in Hessen und Rheinland-Pfalz.

"Es ist kein Zufall, dass wir diese Art gerade an geschützten Standorten gefunden haben", sagt Dziock. Da diese Arten nicht so anpassungsfähig und wenig mobil seien, kämen sie heute nur noch inselartig in den Resten alter Urwälder vor. Die zum Überleben nötigen Altholzstrukturen bilden sich erst nach mindestens 120 Jahren heraus. Die meisten Bäume in bewirtschafteten Wäldern werden jedoch bereits vor dem Erreichen dieses Alters gefällt.

"Wo konventionelle Forstwirtschaft betrieben wird, hat diese Art keine Chance zum Überleben", kritisiert Dziock; "alles, was krank aussieht, wird entfernt. Aber gerade solche alten Bäume sind es, an denen sich die Schleimflüsse bilden, die diese Arten brauchen." Aus Sicht der Biologen ist es deshalb notwendig, alte Bäume in den Wäldern auf natürliche Art absterben zu lassen. Waldbestände mit einem Alter von mehr als 180 Jahren machen in Deutschland lediglich rund zwei Prozent aus. Das habe gravierende Folgen für die Artenvielfalt, so Dziock.

 

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© Frank Dziock/UFZ

Brachyopa silviae gehört zur Gattung der Baumsaftschwebfliegen.


 Mehr Informationen:

Umweltforschungs- zentrum Leipzig-Halle

 

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