Bedrängte Pflanzen legen eiserne Reserve an
Werden sie angefressen, dann lagern attackierte
Pflanzen Nährstoffe aus den Blättern aus und leiten
sie in die Wurzeln.
(jkm) - Wird ihr Blattwerk angefressen, schwingen Pflanzen nicht
nur die chemische Keule. Amerikanische Wissenschaftler haben nun
erstmals direkt verfolgen können, wie attackierte Pflanzen
im großen Stil Nährstoffe aus den Blättern auslagern
und in die Wurzeln leiten. Für ihre Beobachtungen nutzten
die Forscher eine Technik, die normalerweise zum Kartieren der
Gehirnaktivität und zur Früherkennung von Krebs genutzt
wird.
"Wir wissen bereits, dass Pflanzen einen Angriff abzuwehren
suchen, etwa indem sie chemische Verbindungen produzieren, die
den Angreifer töten oder die Blätter weniger schmackhaft
machen", erläutert Benjamin Babst von der Tufts University
in Medford, Massachusetts. "Zudem scheinen sie auch Toleranz
aufzubauen, indem sie mehr Kohlenstoff-Speicher anlegen und so
nach der Attacke umso schneller neu aufblühen können."
Babst und seine Kollegen besprühten Blätter von Espen
und anderen Pappelarten mit Jasmonsäure, einem Hormon, das
in angefressenem Blattgewebe als Alarmsubstanz gebildet wird.
Dann setzten sie die Blätter Kohlendioxid aus, der anstelle
des "normalen" Kohlenstoff-12 den leichten Kohlenstoff-11
enthielt. Bei dessen Zerfall werden Positronen freigesetzt. Wo
dies geschieht, kann mit Hilfe eines Positronen-Emissionstomographen
(PET) ermittelt werden.
In den Blättern wird aus dem aufgenommenen Kohlendioxid
Zucker gebildet. Wie die Forscher im Fachblatt "New Phytologist"
berichten, tauchten nach der simulierten Attacke sehr viel mehr
mit Kohlenstoff-11 markierte Kohlenhydrate in den Wurzeln der
Baumschößlinge auf. Offenbar suchten diese, ihre Ressourcen
dem Zugriff des vermeintlichen Pflanzenfressers zu entziehen und
als eiserne Reserve zurückzulegen.
Mit dieser Vermutung übereinstimmende Resultate lieferte
eine zweite Studie, bei der die Forscher das von den Pflanzen
ausgedünstete Isopren analysierten. Nach einem Scheinangriff
enthielt dieses leicht flüchtige "Nebenprodukt"
der Kohlenhydratsynthese ebenfalls mehr Kohlenstoff-11.
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