Wie Wespenmännchen ihre Nebenbuhler täuschen
Männliche Lagererzwespen verfügen
über eine besonders ausgeklügelte Strategie, ihre Konkurrenten
um paarungswillige Weibchen zu täuschen.
(vv) - Bei vielen Insektenarten gibt es eine ausgeprägte
Konkurrenz zwischen den Männchen um paarungswillige Weibchen.
Die Weibchen paaren sich häufig nur einmal im Leben und interessieren
sich danach nicht mehr für die Männchen, sondern kümmern
sich ausschließlich um einen geeigneten Eiablageplatz. Deshalb
haben die Insektenmännchen zahlreiche Mechanismen und Strategien
entwickelt, um ihre Chancen bei der Fortpflanzung zu vergrößern.
Über eine besonders ausgeklügelte Strategie bei der
Lagererzwespe Lariophagus distinguendus berichten Insektenforscher
der Freien Universität Berlin in der Fachzeitschrift "Behavioral
Ecology and Sociobiology".
Die Weibchen der parasitisch lebenden Lagererzwespe legen ihre
Eier an die Larven von vorratsschädlichen Käfern, die
sich im Inneren von Getreidekörnern entwickeln. Die schlüpfende
Wespenlarve ernährt sich von der Käferlarve, die dabei
getötet wird. Die Lagererzwespe wird daher zur biologischen
Schädlingsbekämpfung im Vorratsschutz eingesetzt. Bereits
im Puppenstadium produzieren die Wespenweibchen einen Sexuallockstoff,
der bei den Männchen ein charakteristisches Balzverhalten
auslöst.
Die Männchen dieser ein bis zwei Millimeter großen
Wespe schlüpfen früher als ihre weiblichen Artgenossen.
Kaum haben sie das Licht der Welt erblickt, suchen sie paarungswillige
Weibchen. Sie setzen sich auf die Getreidekörner und erwarten
die schlüpfenden Weibchen, um möglichst der Erste bei
der Paarung zu sein. Für Männchen, die etwas länger
für ihre Entwicklung brauchen und später schlüpfen
als ihre Nebenbuhler, ist daher die Gefahr groß, dass alle
Weibchen in ihrer Umgebung bereits verpaart sind und sie leer
ausgehen.
Um diese Gefahr zu verringern, haben die Männchen der Lagererzwespe
eine faszinierende Strategie entwickelt: Die sich in den Weizenkörnern
entwickelnden Männchen imitieren den Sexuallockstoff der
Weibchen und täuschen so ihre früher schlüpfenden
Nebenbuhler. Diese verbringen bei der Partnersuche genauso viel
Zeit auf Körnern, in denen sich Männchen befinden, wie
auf solchen mit Weibchen.
Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Spätentwickler
so ihre eigenen Paarungschancen erhöhen, indem sie ihre Konkurrenten
von der Suche nach tatsächlichen Weibchen abhalten. Nach
dem Schlupf benötigen die Männchen im Gegensatz zu den
Weibchen den Sexuallockstoff nicht mehr und bauen ihn innerhalb
von 24 Stunden ab - wahrscheinlich, um nicht von anderen irregeführten
Männchen belästigt zu werden.
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