Grizzlybären erobern die Arktis
Nicht nur mit dem schwindenden Packeis hat der
Eisbär zu kämpfen, nun rückt ihm auch noch sein
Vetter, der Grizzly, auf den Pelz.
(jkm) - Als hätte der Eisbär nicht schon genug mit
dem schwindenden Meereis zu kämpfen, stehen ihm nun auch
Scherereien mit südlichen Vettern ins Haus. Das berichten
kanadische Geologen auf einer Fachkonferenz in Edmonton. DNA-Analysen
an einem Haarbüschel belegen, dass der Grizzly Einzug in
der Arktis hält.

© ArtToday
Der Grizzly (Ursus arctos horribilis) erobert
den Norden.
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Damit gebe es erstmals handfeste Belege für frühere
Sichtungen, erläutert John England von der University of
Alberta. Die Haarprobe stamme von der Melville-Insel, gut 1.000
Kilometer nördlich des Polarkreises gelegen. "Wir wussten
bereits, dass Grizzlybären auf dem Meereis Jagd auf Robben
machen", so der Forscher, "doch noch nie wurden sie
so weit nördlich gesehen." Damit stelle sich die Frage
nach den Auswirkungen auf die Eisbären. Wenn sich die Gelegenheit
biete, töteten Grizzlybären Eisbärenjunge, allerdings
sei es in Gefangenschaft auch schon zur Kreuzung gekommen.
Auf dem Flug zu einem Untersuchungsgebiet in der kanadischen
Arktis hatte England bereits im Jahr 2003 einen vermeintlichen
Grizzly (Ursus arctos horribilis) erspäht und fotografiert.
Aus größerer Entfernung abgelichtet, wies das Tier
die passende Größe und Farbe sowie den charakteristischen
Buckel auf. Allerdings war unklar, ob es sich um einen einzelnen
Irrläufer handelte. Den Beleg für eine längerfristige
Anwesenheit auf der Insel lieferten ein Jahr später Tatzenabdrücke
und Haare an der Außenwand einer Hütte.
Die Haare enthielten genügend Erbgut, um anhand 15 charakteristischer
DNA-Regionen, so genannten Mikrosatelliten, ein genetisches Profil
zu erstellen. Demnach stammen sie von einem "Barren Ground
Grizzly", berichten England und sein Kollege Jonathan Doupé
auf dem International Arctic Workshop. Typische Bewohner der kanadischen
Tundra, hätten sich diese relativ kleinen Grizzlybären
in den letzten Jahren bereits die Victoria-Insel südlich
von Melville erschlossen. Und letztere als weiteren Trittstein
nutzend, könnten sie es vielleicht auch nach Osten zur Ellesmere-Insel
schaffen - geradewegs ins Zentrum des Eisbärengebiets.
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