Blatt-Chemie verrät Invasoren
Pflanzliche Invasoren lassen sich vom Flugzeug
aus rasch und im großen Flächenmaßstab ausmachen,
haben zwei amerikanische Biologen nachweisen können.
(jkm) - Wie die Forscher in den "Proceedings of the National
Academy of Sciences" berichten, verrät die optische
Signatur der Eindringlinge nicht nur deren Anwesenheit, sondern
auch ihren Einfluss auf das jeweilige Ökosystem.

© Gregory Asner
Das Untersuchungsgebiet im "Lichte"
von Stickstoff- (oben) und Wassergehalt (Mitte) der Vegetation.
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Als Untersuchungsgebiet wählten Gregory Asner von der Carnegie
Institution im kalifornischen Stanford und Peter Vitousek von
der dortigen Universität die Umgebung des Vulkans Kilauea
auf Hawaii. Normalerweise ist in dem hoch gelegenen Terrain der
Eisenholzbaum (Metrosideros polymorpha) die vorherrschende Art.
Konkurrenz erwächst im jedoch in Form des Gagelbaums (Myrica
faya), ursprünglich nur auf Azoren und Kanaren heimisch.
Indem das Sonnenlicht auf und durch das Blätterdach fällt
und reflektiert wird, verändert sich sein Spektrum in Abhängigkeit
von der jeweiligen Vegetation. Diesen optischen Fingerabdruck
erfassten die zwei Forscher vom Flugzeug aus mit Hilfe des "Airborne
Visible and Infrared Imaging Spectrometer" der NASA.
Der Abgleich mit traditionellen bodengestützten Beobachtungen
und Messungen zeigte, dass sich Bestände des Eisenholzbaums
anhand des relativ geringen Stickstoffgehalts und des mäßig
hohen Wassergehalts des Blätterdachs erkennen lassen. Wo
der Gagelbaum mit seinen stark stickstoffhaltigen Blättern
Fuß gefasst hat, schlägt sich dies merklich in der
optischen Signatur nieder.
"Der erhöhte Blatt-Stickstoffgehalt des invasiven Baums
bedeutet, dass er den Wald förmlich düngt", erläutert
Asner. Die Lebensdauer der Blätter sei kürzer, sodass
mehr Stickstoff ins Erdreich gelange und damit auch den Stoffwechsel
der Bodenorganismen beeinflusse.
"Wir wissen zwar noch nicht, was letztlich die Folgen dieses
Dominoeffekts sein werden", so der Biologe. "Allerdings
sollten wir sie künftig vorhersagen können, indem wir
nun mehr über die chemischen Veränderungen im Wald erfahren."
Zu ihrer Überraschung fanden Asner und Vitousek auch Flächen
mit niedrigem Stickstoffgehalt und erhöhtem Wassergehalt.
Nachträgliche Begehungen enthüllten, dass sich hier
ein weiterer Eindringling breit machte - der Kahili- oder Zieringwer
(Hedychium gardnerianum).
Dessen Triebe reichten zwar nicht bis in die höchste Etage
des Blätterdachs und seien per traditioneller Fernerkundung
nicht erkennbar, erläutern die Forscher. Indem die anspruchsvolle
Pflanze dem Eisenholzbaum die Nährstoffe streitig mache,
wirke sie sich jedoch ebenfalls auf das Reflexionsspektrum der
Vegetation aus.
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