Nordsee erfährt ökologische Veränderungen
Globalisierung und Klimaveränderung gehen
auch an der Nordsee nicht spurlos vorüber.
(jkm) - Seit 1873 auf Helgoland erhobene Daten belegen, dass
sich sowohl die Umweltbedingungen in dem Meer als auch seine Lebensgemeinschaften
seit einigen Jahrzehnten deutlich ändern. Hauptursachen seien
die Einschleppung gebietsfremder Arten und der globale Klimawandel,
so die Forscher der Biologischen Anstalt Helgoland.

© H.-D. Franke, AWI
Die Meeresassel Idotea metallica, eine von
mindestens 30 südlichen, atlantischen Arten, die
in den letzten 15 Jahren neu in der Deutschen Bucht aufgetreten
sind.
|
"Regelmäßige Messungen und Beobachtungen, die
Jahrzehnte überspannen, sind das wichtigste Instrument, mit
dem historische Veränderungen der ökologischen Bedingungen
erfasst werden können", erläutert BAH-Mitarbeiterin
Karen Wiltshire. "Nur so können wir den heutigen Zustand
unserer Ökosysteme bewerten und Modelle entwickeln, die begründete
Aussagen über deren künftige Entwicklung erlauben."
Wiltshire und ihre Kollegen stellen ihre Resultate im Fachblatt
"Helgoland Marine Research" vor.
In den letzten 40 Jahren ist die Wassertemperatur demnach um
1,1 Grad Celsius gestiegen, gleichzeitig stieg auch der Salzgehalt
leicht an. Meereisbildung bei Helgoland, bis in die 40er-Jahre
im Mittel alle zehn Jahre auftretend, wurde in den letzten 60
Jahren nur einmal beobachtet. Da die verschiedenen Nordsee-Bewohner
und deren Nahrung bzw. Fressfeinde unterschiedlich auf diese Veränderungen
reagieren, verändert sich letztlich das Artenspektrum.
Unter anderem stellten die Helgoländer Forscher fest, dass
einige heimische Arten wie Hummer und Kabeljau seltener geworden
sind. Die Europäische Auster und verschiedene Algenarten
verschwanden sogar gänzlich aus dem Gebiet. Umgekehrt wurden
Arten wie der Taschenkrebs häufiger oder traten neu auf.
Bei der Mehrzahl der neuen Arten handelt es sich um "südliche"
Arten aus der atlantischen Region, die durch den Temperaturanstieg
jetzt auch weiter nördlich leben können. Andere Arten
wurden wiederum vom Menschen eingeschleppt.
Seite
drucken
|