Serengeti: Löwen springen zwischen Gleichgewichten
Die Zahl der Löwen in der Serengeti steigt
bei gutem Nahrungsangebot nicht stetig, sondern sprunghaft an.
(jkm) - Wenn die Bedingungen für eine Tierart allmählich
günstiger werden, sollte auch die Zahl der Individuen allmählich
steigen. Ein gänzlich anderes Verhalten zeigen Löwen
in der Serengeti, berichtet eine internationale Forschergruppe
im Magazin "Science". Gefesselt durch seine eigene Sozialstruktur
und kontrolliert durch Gnus, erfährt der "König
der Tiere" immer wieder Bevölkerungsexplosionen und
-einbrüche.
Von besonderer Bedeutung ist dabei die Rudelgröße,
berichten die Forscher um Craig Packer von der University of Minnesota,
Saint Paul. Einerseits müsse ein neues Rudel eine Mindestgröße
von etwa vier ausgewachsenen Weibchen haben, um sich gegen andere
Rudel behaupten zu können. Andererseits steige mit der Zahl
der Mitglieder auch die Konkurrenz innerhalb des Rudels, sodass
Gruppen mit über zehn Weibchen kaum Nachwuchs durchbrächten.
Schwanken dann auch noch die Umweltbedingungen, sind abrupte Bestandesveränderungen
vorprogrammiert, zeigten die Computermodelle der Wissenschaftler.

© Science
Eine Löwin auf der Jagd.
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Packer und seine Kollegen analysierten die Populationsentwicklung
von Löwen, die ein gut 2.000 Quadratkilometer großes
Gebiet in der ostafrikanischen Serengeti bewohnen und seit 1966
beinahe kontinuierlich beobachtet werden. In der Region stieg
die Zahl von Büffeln und Gnus seit 1963 stark an, nachdem
die Tiere zuvor von der Rinderpest dezimiert worden waren. Doch
erst im Jahr 1973 reagierte die im Buschland lebende Löwenpopulationen
auf das steigende Beuteangebot - dann allerdings mit einem plötzlichen
Anstieg der Individuenzahl um etwa ein Drittel. Grund waren sprunghaft
erhöhte Überlebensraten der Jungtiere.
Ein zweiter Sprung folgte im Jahr 1983, nachdem grasende Gnus
schon lange für weniger Steppenbrände gesorgt und den
"Buschland-Löwen" so mehr Deckung verschafft hatten.
Umgekehrt fanden in der Savanne jagende Löwen mehr Deckung,
nachdem die Gnus durch eine Trockenheit dezimiert worden waren,
und sprangen im Jahr 1997 auf ein neues Gleichgewichtsniveau.
Und erst fünf Jahre, nachdem die Buschbewohner durch die
Staupe dezimiert worden waren, stieg ihre Populationsgröße
im Jahr 1999 wieder an, ebenfalls abrupt.
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