Pottwale bekommen Taucherkrankheit
Trotz Millionen Jahre langer Anpassung an das
Leben im Meer sind Pottwale nicht gegen die Taucherkrankheit gefeit.
(jkm) - Entsprechende Belege präsentieren zwei amerikanische
Biologen im Magazin "Science". Knochen- und Knorpelläsionen
an den von ihnen untersuchten Skeletten lassen vermuten, dass
aus dem Gewebe ausperlende Gasblasen den Walen zusetzen.

© Michael Moore/WHOI
Auf Nantucket im Juni 2002 gestrandeter
Pottwal
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"Scheinbar sind Pottwale weder anatomisch noch physiologisch
immun gegen die Effekte des Tauchens in großen Tiefen",
schreiben Michael Moore und Greg Early von der Woods Hole Oceanographic
Institution. Der Befund werfe ein neues Licht auf jüngste
Berichte, denen zufolge starke Sonarpulse bei Walen Symptome der
Dekompressionskrankheit auslösen können. Offenbar veranlassten
die intensiven Schallwellen die Tiere, lange Zeit an der Oberfläche
zu bleiben, sodass sie Schäden durch Stickstoffbläschen
in ihrem Gewebe davontrügen.
Derartige Gasbläschen perlen aus Blut und Gewebe menschlicher
Taucher aus, wenn diese rascher auftauchen, als sie den Stickstoff
ausatmen können. Als Folge kann es zum Verschluss von Blutgefäßen,
Nervenschäden und zum Absterben von Gewebe kommen, unter
anderem von Knochengewebe. Symptome einer solchen dysbaren Osteonekrose
fanden Moore und Early auch an 17 vollständig oder teilweise
erhaltenen Skeletten von Pottwalen (Physeter macrocephalus). Die
Überreste stammten aus Atlantik und Pazifik und waren über
einen Zeitraum von 111 Jahren gesammelt worden.
Die Schäden zeigten sich in Form zahlreicher feiner Vertiefungen
und Substanzverluste an der Oberfläche der Knochen, berichten
die Forscher. Besonders ausgeprägt waren sie an Schädelknochen
und Schultergürtel sowie an den Ansatzflächen von Rippen
bzw. Wirbelbögen an der Wirbelsäule - zudem waren große,
alte Pottwale stärker betroffen als kleine, jüngere
Tiere.
Zwar könne eine solche Osteonekrose beim Menschen auch andere
Ursachen haben, so Moore und Early. Da die Schäden an sämtlichen
untersuchten Walskeletten aufgetreten seien und die Tiere häufig
rasch auftauchten, seien Gasblasen infolge einer Dekompression
die wahrscheinlichste Ursache.
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