Profitieren Korallenriffe vom Klimawandel?
Die globale Erwärmung könnte den Korallenriffen
sogar nützen, meinen australische Forscher. Fachkollegen
zweifeln jedoch an dieser Hypothese.
(jkm) - Die globale Erwärmung wird Korallenriffen im Endeffekt
sogar nützen. Zu diesem Schluss kommen drei australische
Wissenschaftler im Fachblatt "Geophysical Research Letters".
Eine beschleunigte Kalkabscheidung könnte die Riffe demnach
ihre ursprüngliche Größe um ein Drittel übertreffen
lassen. Fachkollegen melden Zweifel an dieser Hypothese an.
"Unserer Analyse zufolge, könnte die Erwärmung
der Ozeane künftig beträchtlich erhöhte Wachstumsraten
der Riffe bewirken, sodass die vorindustriellen Werte im Jahr
2100 sogar um 35 Prozent übertroffen werden", fasst
Ben McNeil von der University of New South Wales, Sydney, die
Resultate zusammen - wohl wissend, dass diese Aussage "im
schroffen Gegensatz zu früheren Prognosen steht", laut
denen ein großer Teil der Korallenriffe bis Ende des 21.
Jahrhunderts abgestorben sein wird.
Riffe wachsen, indem Korallen und andere Organismen Calciumcarbonat
aus dem Meerwasser fällen. Wie schnell dies geschieht, hängt
unter anderem von der Temperatur des Wassers ab. In mehreren Meeresgebieten
studierten McNeil und seine Kollegen nun, wie sich die Rate der
Kalkablagerung mit der Temperatur ändert. Ihre Messergebnisse
kombinierten sie mit den Resultaten eines Klimamodells, um das
künftige Wachstum der Riffe abzuschätzen. Zwar bremst
der erhöhte CO2-Gehalt des Meerwassers die Kalkabscheidung,
folgern die Forscher. Indem die erhöhten Temperaturen den
Stoffwechsel der Korallen und ihrer Algensymbionten beschleunigten,
werde dieser Effekt jedoch mehr als ausgeglichen.
Bei dieser Analyse bleiben mehrere Aspekte unberücksichtigt,
wendet Charles Sheppard von der University of Warwick ein. Eine
Temperaturerhöhung beschleunige den Stoffwechsel, "sie
bewirkt jedoch noch weitere Dinge, beispielsweise tötet sie
die Algensymbionten ab, was letztlich wieder die Korallen tötet
und die Kalkabscheidung auf Null reduziert", so der Forscher
gegenüber dem Magazin "New Scientist".
Auch McNeils Mitautor David Barnes vom Australian Institute of
Marine Science in Townsville formuliert lieber differenziert:
Der Artikel betrachte die Wirkung der Erwärmung auf die Kalkablagerung
"losgelöst von weiteren, negativen Effekten der Korallenbleiche
[...] und dem beträchtlichen Einfluss menschlicher Aktivitäten,
beispielsweise schlechter Wasserqualität und nicht-nachhaltiger
Fischerei."
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