Zikaden düngen den Boden
Das massenhafte Auftreten von Zikaden im Osten
der USA führt zu einem ungewöhnlichen Recycling: Nach
ihrem Ableben sorgen die Insekten für eine verbesserte Bodenqualität.
(jkm) - In regelmäßigen Abständen erlebt der
Osten der Vereinigten Staaten massenhafte Auftreten von Zikaden.
Nach dem Ende der blitzartigen Invasionen kommt es zu einem beispiellosen
Akt von Recycling, berichtet ein amerikanischer Ökologe im
Magazin "Science". Indem die stickstoffreichen Kadaver
der Tiere am Boden zersetzt werden, geben sie der Vegetation Nährstoffe
zurück, die sie ihr zuvor ausgesaugt haben.

© Louie H. Yang
Alle 13 oder 17 Jahre kommt es im Osten
der Vereinigten Staaten zum massenhaften Auftreten von
Zikaden.
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Periodisch auftretende Zikaden (Gattung Magicicada) leben 13
bzw. 17 Jahre im Untergrund, wo sie sich an Pflanzenwurzeln gütlich
tun. Auch oberhalb des Erdbodens saugen die Tiere an Pflanzentrieben
und legen ihre Eier in Zweigen ab. "Die durch Fraß
und Eiablage der Zikaden verursachten Kosten sind wohlbekannt",
schreibt Louie Yang von der University of California in Davis,
"diese Befunde aber lassen vermuten, dass es auch positive,
teils kompensierende Effekte durch den Dünger-Puls gibt."
In "Zikadenjahren" fing Yang Tausende der Tiere, fror
sie ein und nutzte sie dann für regelrechte Düngeexperimente.
Wurden die Kadaver in Dichten, wie sie auch natürlicherweise
vorkommen, auf Versuchsflächen ausgestreut, stiegen Ammonium-
und Nitratgehalt des Bodens binnen 30 Tagen auf das Doppelte bzw.
Dreifache. Der erste Wert ging rasch wieder auf das Ausgangsmaß
zurück, letzterer blieb dagegen langfristig erhöht.
Gleichzeitig nahm die Biomasse von Zersetzern im Boden - Bakterien
und Pilzen - um gut ein Achtel zu, ermittelte Yang. Und auch Pflanzen
profitieren von der Nährstoffflut: Glockenblumen (Campanulastrum
americanum), die auf mit Zikaden "gedüngten" Böden
wuchsen, enthielten mehr Stickstoff und produzierten neun Prozent
größere Samen.
Indem diese üppigen Kräuter ebenfalls zersetzt werden,
könnte ihr erhöhter Stickstoffgehalt letztlich wieder
Bäumen zugute kommen, vermuten Richard Ostfeld und Felicia
Keesing vom Institute of Ecosystem Studies in Millbrook, New York.
Da zumindest ein Teil der Nährstoffe also wieder an ihrem
Ausgangspunkt zurückkehre, könnte man ihrer Meinung
nach von einer regelrechten Nährstoff-Fontäne sprechen.
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