Weißer Hai: Blutrünstige Beißmaschine oder
sensibler Intelligenzler?
Während er in Filmen immer noch als blutrünstige
Beißmaschine dargestellt wird, bemüht die Wissenschaft
sich um ein neues Bild vom Weißen Hai.
Hamburg (vv) - Während Film auf Film das Image des Weißen
Hais als gierigen Menschenfresser fördert, bemühen sich
weltweit zwei Dutzend Wissenschaftler um ein differenzierteres
Wissen über den immer noch rätselhaften großen
Knorpelfisch. Wie das Magazin GEO in seiner Dezember-Ausgabe berichtet,
sind die Forscher, überwiegend in Südafrika, den USA
und Australien, dabei zu einer ganzen Reihe eindrucksvoller Erkenntnisse
gelangt.
So haben sie Belege für transozeanische Reisen männlicher
Haie, von denen ein Exemplar etwa die 3800 Kilometer lange Distanz
von Kalifornien bis Hawaii mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit
von 71 Kilometer pro Tag und in bis zu 650 Meter Tiefe durchschwamm.
Bis zu einem Monat lang können Haie dabei hungern; ihr maximales
Lebensalter schätzen Forscher auf 60 bis 70, mitunter sogar
auf 100 Jahre.
Hai-Experten wie der Südafrikaner Michael Scholl können
nach dem Bericht in GEO an Form und Farbe der Rückenflosse
bis zu 1000 verschiedene Hai-Individuen identifizieren; andere
Forscher, wie Scholls Kollege Leonard Compagno, haben über
50 wiederkehrende Verhaltensmuster des Weißen Hais beobachtet:
vom Huckepackschwimmen bis zu Situationen, in denen die Tiere
den Kopf aus dem Wasser stecken, um Menschen nur interessiert
anzuschauen.

© NOAA
Weißer Hai (Carcharodon carcharias):
Blutrünstige Beißmaschine oder sensibler Intelligenzler?
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Uneins sind sich die Wissenschaftler noch darüber, welcher
der sensiblen Sinne der Haie der leistungsstärkste ist. So
kann der Weiße Hai extrem gut sehen, aber zum Beispiel auch
einen einzigen Tropfen Blut in einer Wassermenge, die dem eines
Schwimmbades entspricht, riechen. Überdies ist es dem Jäger
möglich, das elektrische Feld eines Beutetieres zu ermitteln.
Dass zu der Beute jedes Jahr auch einige Menschen gehören,
halten die Experten gewissermaßen für ein Versehen
des Hais, einen Fehlgriff (mistaken identity), der
darauf zurückzuführen ist, dass der Mensch in der 60
Millionen Jahre langen Entwicklungsgeschichte des Weißen
Hais erst seit relativ kurzer Zeit vor seinem Maul auftaucht.
Beißt ein Weißer Hai allerdings zu, so setzt er dabei
einen Beißdruck von drei Tonnen pro Quadratzentimeter frei.
Eine Methode, die gleichermaßen den Menschen vor dem Hai
wie den Hai davor schützen könnte, als so genannter
Beifang in Fischernetzen zu landen oder Opfer von Jägern
zu werden, die es auf sein mit bis zu 50.000 Dollar gehandeltes
Gebiss abgesehen haben, hat nach dem Bericht von GEO ein US-Forscher
herausgefunden: Haie meiden den Leichengeruch eigener Artgenossen.
Schon wenige Tropfen Flüssigkeit aus einem Hai-Kadaver würden
reichen, den Hai fernzuhalten bzw. davor zu schützen, in
eine Falle zu gehen.
Dass der Bestand des Weißen Hais insgesamt gefährdet
ist, hat kürzlich die 13. Cites-Konferenz zum Washingtoner
Artenschutzabkommen bestätigt. Bei ihr wurde er als schützenswert
eingestuft.
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