Biologisches Neuland im Meer
In der Tiefsee wimmelt es von unbekannten Tier-
und Pflanzenarten. Das zeigt der Zwischenbericht der ersten "Volkszählung
im Meer".
(jkm) - Zwar weisen Landkarten kaum noch weiße Flecken
auf, in den Meeren gibt es dagegen ein weites Betätigungsfeld
für Entdecker. Das zeigen die Zwischenresultate einer groß
angelegten Erfassung des marinen Lebens. Allein aus der relativ
gut erforschten Gruppe der Fische fanden die Forscher im Jahr
2004 durchschnittlich zwei neue Arten pro Woche.

© L. Alcock
Unbekannte Oktopusart, die vermutlich
zur Gattung Pareledone zählt
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Marine Arten: "Kaum an der Oberfläche
gekratzt"
In sämtlichen studierten Meeresregionen, selbst in den vermeintlich
wohlbekannten, fänden sich mit unveränderter Rate neue
Spezies, so der "Census of Marine Life", ein im Jahr
2000 begonnenes und mit gut einer Milliarde US-Dollar ausgestattetes
Forschungsprojekt. So seien in diesem Jahr bislang 106 neue Arten
von Meeresfischen identifiziert worden. Derzeit seien 15.482 Arten
bekannt, bis zum Ende des Projekts im Jahr 2010 könne die
Zahl jedoch durchaus auf 20.000 steigen.
Die Zahl der Zooplankton-Arten könne sich sogar auf 14.000
verdoppeln, schätzen die Forscher. Und kaum abzuschätzen
sei die Zahl der im Meer lebenden Mikroben, die immerhin über
90 Prozent der marinen Biomasse ausmachten. "Wir haben kaum
an der Oberfläche gekratzt", kommentiert Frederick Grassle
von der Rutgers University in New Brunswick. "Die Menschheit
hat weniger als fünf Prozent der Weltmeere erkundet, und
selbst dort, wo wir nach Leben gesucht haben, war es vielleicht
zu klein, um entdeckt zu werden."
Riesige Meeresflächen noch unbekannt
Neben der Arbeit "im Feld" haben die mehrere Hundert
beteiligten Wissenschaftler aus 70 Nationen auch damit zu tun,
die Resultate früherer Forschergenerationen zu erfassen.
Derzeit seien 5,2 Millionen Datensätze zu 38.000 Arten vorhanden,
verglichen mit 1,1 Millionen Datensätzen zu 25.000 Spezies
im letzten Jahr. Ausführlich präsentiert und diskutiert
wird die Arbeit an den öffentlich zugänglichen Datenbanken
auf einem Fachkongress, der nächste Woche in Hamburg beginnt.
Schon jetzt zeigt eine statistische Auswertung der Daten, wie
es um die Kenntnis der Meere als größtem Lebensraum
der Erde steht. Gut 95 Prozent aller Beobachtungen fanden demnach
an oder nahe der Meeresoberfläche statt, weniger als 0,1
Prozent in der unteren Hälfte der Wassersäule. Und werden
die geographischen Positionen auf einer Weltkarte markiert, bleiben
riesige Meeresflächen - vor allem solche weitab der Küsten
- ausgespart.
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