Bedrohliche Monotonie in der Landwirtschaft
Die Vielfalt in den Ställen und auf den
Feldern nimmt stark ab, denn immer mehr Nutztiere und -pflanzen
sterben aus.
(vv) - Die Vielfalt der genutzten Arten, Sorten und Rassen in
der Landwirtschaft - die Agrobiodiversität - ist in Gefahr:
Ställe, Weiden und Felder sind in den letzten Jahrzehnten
immer monotoner geworden. Insgesamt basiert die Welternährung
heute im Wesentlichen auf nur zehn Kulturpflanzen. Die Folge:
Die Anfälligkeit für Missernten, Schädlinge und
Krankheiten nimmt zu, die globale Ernährungssicherung ist
zunehmend Risiken ausgesetzt. Das wissenschaftliche Verbundprojekt
"Agrobiodiversität entwickeln!", das unter Federführung
des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
durchgeführt wurde, fragte nach den Ursachen und suchte nach
Lösungswegen. Die Ergebnisse des Projektes sind jetzt in
einer Broschüre erschienen.
Allein im Bereich der Nutztiere sind laut IÖW in den letzten
hundert Jahren 1000 der 6400 anerkannten Rassen ausgestorben,
300 davon in den vergangenen 30 Jahren. Weitere 2000 Rassen seien
gefährdet. Als eine Hauptursache für den Verlust von
Agrobiodiversität gilt die weltweite Durchsetzung moderner
Landwirtschaft mit Hochleistungssorten und -rassen, deren Ertragszuwachs
zwar beeindruckend sei, deren Risiken aber nicht hinreichend berücksichtigt
würden. Zudem wirkten Lebensmittelverarbeitung und Handel
standardisierend auf die Landwirtschaft, so ein Ergebnis der Studie.
Doch Rassen- und Sortenverluste und die damit einhergehende Verringerung
der genetischen Vielfalt sind irreversible Vorgänge. Mit
dem Aussterben jeder Rasse und Sorte gehen Potenziale für
die zukünftige Züchtungsarbeit verloren, warnt das IÖW.
Die Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umweltbedingungen,
noch unbekannte Tier- und Pflanzenkrankheiten, aber auch an neues
Wissen über Ernährungserfordernisse nehme damit ab.
"Was wir dringend brauchen, ist eine konsequente Zusammenarbeit
von Züchtern, Landwirten, Lebensmittelwirtschaft und Konsumenten.
Nur so kann eine größere Diversität in der Landwirtschaft
gewährleistet werden," fordert Projektleiter Ulrich
Petschow. Eine Vielfalt an regionalen Anbaumethoden und Haltungsformen
sei hier ebenso wichtig wie Kooperationen entlang der Lebensmittelkette,
um die Nachfrage nach vielfältigen landwirtschaftlichen Produkten
zu steigern. Und nicht zuletzt erfordere der Erhalt der Agrobiodiversität
auch eine vielfältige Ernährungskultur, in der regionale
Spezialitäten aus diversen Tierrassen und Pflanzensorten
genossen werden.
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