Überfischung dezimiert Landtiere
Die Überfischung der Meere verstärkt
in einigen Staaten Afrikas die Jagd auf Wildtiere. EU-Subventionen
für Fischereiflotten fördern so indirekt den Handel
mit Bushmeat.
(jkm) - Die Überfischung eines Meeresgebiets verstärkt
in den Anrainerstaaten die Jagd auf Landsäuger. Zu diesem
Schluss kommt eine internationale Forschergruppe im Magazin "Science".
Subventionen für Fischereiflotten fördern demnach indirekt
die Jagd nach und den Handel mit Bushmeat - Fleisch von Wildtieren,
die häufig ohnehin schon in ihrem Bestand gefährdet
sind.
"Wenn Menschen ihren Proteinbedarf nicht mit Fisch decken
können, suchen sie ihre Ernährung und ihr wirtschaftliches
Überleben auf andere Weise zu gewährleisten", formuliert
Justin Brashares von der University of Cambridge und der University
of California, Berkeley. "Unglücklicherweise lässt
der Effekt auf die Beutearten nicht lange auf sich warten."
Brashares und seine Kollegen analysierten Daten, die über
30 Jahre in Naturschutzgebieten und auf Märkten im westafrikanischen
Küstenstaat Ghana gesammelt worden waren, sowie Fischfang-Daten
der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten
Nationen (FAO). Für 41 Tierarten - von Büffeln über
Affen bis hin zu Elefanten und Löwen - ermittelte die Gruppe
einen Rückgang der Bestände um insgesamt 76 Prozent.
Besonders stark war der Druck auf die Tiere in Jahren, in denen
wenig Fisch auf den lokalen Märkten angeboten wurde.
Indem der Fisch immer teurer wurde, trafen die Parkaufseher häufiger
auf Wilderer, gleichzeitig wurde auf den Märkten mehr Bushmeat
angeboten. "Es sind die Belege für jedes einzelne Glied
in dieser Kette, die das Gesamtbild so überzeugend machen",
sagt Brashares Kollege Andrew Balmford. Das gelte umso mehr, als
der Zusammenhang auch nach Berücksichtigung weiterer Faktoren
wie Wetter und Ölpreis sichtbar gewesen sei.
Vorsichtige Schätzungen bezifferten den Bushmeat-Handel
Ghanas auf mindestens 400.000 Tonnen Fleisch pro Jahr, so Brashares.
Einen treibenden Faktor sehen der Forscher und seine Kollegen
in den vor Westafrika operierenden Fischereiflotten, die nicht
zuletzt dank Subventionen der Europäischen Union Gewinne
einführen.
Durch ein Umdenken in der EU-Subventionspolitik könne dieses
Problem zwar nicht vollständig gelöst, dafür jedoch
relativ schnell gemildert werden, so der Forscher. "Andere
Maßnahmen, etwa der Aufbau einer nachhaltigen Vieh- und
Feldwirtschaft, sind ebenfalls unabdingbar, benötigen jedoch
Jahrzehnte für die Umsetzung. Ich fürchte, diese Zeit
haben wir nicht."
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