Verbot der Tiefseefischerei gefordert
Naturschutzorganisationen fordern die UN auf,
die Schleppnetzfischerei auf Hoher See zu verbieten. Einzigartige
Unterwasser-Ökosysteme würden sonst unwiederbringlich
zerstört.
(vv) - Jährlich wird eine Bodenfläche doppelt so groß
wie die USA von Schleppnetzen, die über den Meeresgrund gezogen
werden, durchpflügt. Die Grundschleppnetzfischerei auf hoher
See zerstört unwiederbringlich einzigartige Unterwasser-Ökosysteme,
warnt die Umweltorganisation Greenpeace. Gemeinsam mit 25 weiteren
Naturschutzorganisationen forderte Greenpeace daher am Dienstag
die UN-Generalversammlung auf, sich für ein Moratorium für
die Tiefseefischerei auszusprechen. Die Vereinten Nationen starten
in dieser Woche Verhandlungen zu Meeresthemen.
Ozeanische Tiefseeberge ("Seamounts") sind laut Greenpeace
die am wenigsten erforschten Gebiete unseres Planeten. Mindestens
1000 Meter erheben sich die Tiefseeberge vom Meeresboden. An ihnen
leben viele seltene Arten, unter anderem Granatbarsche, Kaltwasserkorallen
und Tiefseekalmare.
"Die Verwüstungen, die die Trawler mit ihren Schleppnetzen
an den 'Seamounts' anrichten, sind vergleichbar mit dem Kahlschlag
in den Regenwäldern. Hier werden die letzten Schatzkammern
der Meere vernichtet. Binnen Minuten zerstören die Fischer
die gerade erst entdeckten Tiefsee-Korallen, die in Jahrtausenden
völlig ungestört herangewachsen sind", sagte Thomas
Henningsen, Meeresexperte von Greenpeace in Hamburg.

© JAGO Team, Seewiesen
Tief- oder Kaltwasserkorallen (hier: Anthothela
grandiflora) kommen nach einer neuen UN-Studie in praktisch
allen Meeren vor.
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Tiefseefischerei wirtschaftlich nicht von Bedeutung
Auf der Jagd nach Fisch durchpflügten die Fangflotten den
Meeresboden mit Schleppnetzen, die durch moderne Technik bis zu
1500 Meter tief über den Grund gezogen würden. Dabei
sei ihr Einsatz auf Hoher See rein wirtschaftlich gesehen nicht
von Bedeutung, meint Greenpeace. Der Anteil der Tiefseefischerei
mit Grundschleppnetzen betrage weniger als ein Prozent am weltweiten
Fischfang. Doch der Schaden, den sie anrichte, sei unabsehbar,
denn "Seamounts" beherbergten aussergewöhnliche
Lebensformen.
Von den ca. 3,1 Millionen Fischereischiffen weltweit fangen laut
Greenpeace nur wenige hundert Fischtrawler in der Tiefsee. Nur
11 Industrienationen seien beteiligt, Nicht-Industrieländer
seien aufgrund der hohen technologischen Anforderungen an der
Fischerei in der Tiefsee fast unbeteiligt. 60 Prozent aller Fänge
machten EU-Fischtrawler.
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