Erstmals Nashorn künstlich befruchtet
Hoffnung für eine der seltensten Tierarten
der Erde: Erstmals ist Wissenschaftlern die künstliche Befruchtung
eines Nashorns gelungen.
(vv) - Erstmals weltweit ist es gelungen, ein Nashorn künstlich
zu befruchten. Die 24-jährige Nashornkuh Lulu aus dem Budapester
Zoo ist im 5. Monat trächtig, teilte das Berliner Leibniz-Institut
für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) mit. Wissenschaftler
des Instituts hatten eigens für die Tiere ein spezielles
Verfahren zur künstlichen Befruchtung entwickelt.
Die gelungene Besamung könnte einen Beitrag zur Rettung
für eine der seltensten Tierarten der Erde bedeuten. Vom
Nördlichen Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni)
leben nach letzten Zählungen nur noch 32 Tiere weltweit,
10 davon in Zoos, die anderen im Norden des Kongos an der Grenze
zu Sudan. Dort wurden kürzlich 8 von vorher 30 Nördlichen
Breitmaulnashörnern wegen ihrer Hörner von Wilderern
abgeschlachtet.

© Victor Molnar
Lulu (hinten) und der zukünftige Vater
Easyboy
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Im Gegensatz zu anderen Rhinozerosarten pflanzen sich Breitmaulnashörner
in Gefangenschaft kaum fort. Die Paarungsunlust hat für die
Geschlechtsorgane der weiblichen Tiere gravierende Folgen. Werden
die Tiere nicht schwanger, so degeneriert die Gebärmutter
und die Menopause setzt viele Jahre früher ein als normal.
Dies ist bereits bei vier der sechs weiblichen Nördlichen
Breitmaulnashörnern in Gefangenschaft der Fall. Diese Kühe
sind für die Arterhaltung verloren.
Alle Hoffnungen ruhen daher auf der einen noch geschlechtsreifen
Kuh im Zoo von Dvur Kralové (Tschechien). Najin, so ihr
Name, hat vor vier Jahren sogar ein Kalb zur Welt gebracht, das
auf natürlichem Weg gezeugt worden war. Doch seither wurde
sie nicht mehr trächtig. So droht ihr das selbe Schicksal
wie ihren fünf Artgenossinnen in Gefangenschaft - außer,
es gelingt eine künstliche Besamung wie bei Lulu.
Lulu gehört zwar zur Unterart der Südlichen Breitmaulnashörner
(Ceratotherium simum simum), von denen im südlichen Afrika
rund 11.000 Tiere leben. Doch hoffen die Berliner IZW-Wissenschaftler,
dass ihr Befruchtungsverfahren auch bei der nördlichen Unterart
funktioniert. Da auch die Zahl der Südlichen Breitmaulnashörner
zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf nur mehr 100 Tiere geschrumpft
war und die Population mittlerweile wieder stabil ist, hoffen
die Forscher, dass es auch für das Nördliche Breitmaulnashorn
noch nicht zu spät ist. Ihr neues Verfahren zur künstlichen
Befruchtung könnte sich als letzte Chance erweisen.
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