Forscher fordern Hilfe für Geier
Das dramatische Geiersterben in Südasien
wird durch ein Arzneimittel in Tierkadavern ausgelöst. Ökologen
mahnen Aufzuchtstationen an.
(jkm) - Die Einrichtung von Geier-Aufzuchtstationen in Südasien
mahnt eine internationale Ökologengruppe an. Laut den Forschern
stimmen ihre Modellrechnungen mit der Hypothese überein,
dass das dramatische Geiersterben in Südasien durch ein Arzneimittel
in Tierkadavern ausgelöst wird. Da man die Verwendung des
Medikaments nicht von heute auf morgen unterbinden könne,
müsse man auf andere Weise gegensteuern.
Anfang der 90er-Jahre begann auf dem indischen Subkontinent ein
dramatischer Rückgang mehrerer Geierarten. So sind etwa die
Bestände des Bengalengeiers binnen zehn Jahren um 99 Prozent
eingebrochen - eine auch aus kulturellen, religiösen und
nicht zuletzt hygienischen Gründen bedenkliche Entwicklung.
Anfangs wurde die Ursache in einem Virus vermutet. Dann fand man
jedoch, dass die Vögel an Nierenversagen eingehen, wenn sie
Kadaver von Rindern gefressen haben, die mit dem Entzündungshemmer
Diclofenac behandelt worden sind.
Die Forscher um Rhys Green von der Royal Society for the Protection
of Birds und der University of Cambridge führten nun Modellrechnungen
durch, um mehr über die Rolle des Medikaments zu erfahren.
Wie sie im "Journal of Applied Ecology" berichten, kann
der dramatische Rückgang der Geierpopulationen in Indien,
Pakistan und Nepal erklärt werden, wenn nur ein Prozent der
Rinder Rückstände des Medikaments aufweisen. "Unsere
Studie spricht dafür, dass die Diclofenac-Vergiftung der
wichtigste - und vielleicht der einzige - Grund für das Geiersterben
ist", sagt Green.

© Munir Virani/Peregrine
Fund
Indische Geier (Gyps indicus)
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Einrichtung von Aufzuchtstationen nötig
Rinder mit Diclofenac zu behandeln, sei in Indien und anderen
Staaten gängige Praxis, erläutert Asad Rahmani von der
Bombay Natural History Society. "Es wird nicht leicht sein,
Diclofenac aus der Umwelt zu entfernen, bis für Geier unbedenkliche
Wirkstoffe zur Verfügung stehen." Umso dringender sei
es, Aufzuchtstationen zur Stützung der Bestände einzurichten.
Green und Kollegen schätzen, dass mindestens sechs solcher
Einrichtungen nötig sind, um den Bengalengeier und zwei weitere
Geierarten vor dem Aussterben zu bewahren.
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