Überfischung und Verschmutzung bedrohen Barentssee
Überfischung und Verschmutzung durch die
russische Ölindustrie drohen die Barentssee aus dem ökologischen
Gleichgewicht zu bringen.
(jkm) - Weil im Nordmeer Schellfisch, Kabeljau und andere Meerestiere
überfischt werden, droht die Barentssee aus dem ökologischen
Gleichgewicht zu geraten. Verschmutzungen durch die russische
Ölindustrie verschärfen die Situation noch. Zu dieser
Einschätzung gelangt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen
(UNEP). Die Organisation kritisiert, die Probleme in der Barentssee
seien zu lange vernachlässigt worden.
Exekutivdirektor Klaus Töpfer stellte den UNEP-Report zur
Barentssee auf einer Fachtagung im norwegischen Stavanger vor.
Demnach ist die Überfischung "das momentan dringendste
Problem der Region". Es sei bisher versäumt worden,
die Befischung zu reglementieren, rügt der Report.
Bedroht werde die Barentssee außerdem durch zunehmende
Umweltverschmutzung, erklärte Töpfer. Einerseits sei
das Meer zur Zeit noch sauberer als die meisten europäischen
Meere und eine gesundheitliche Gefährdung der Küstenbewohner
sei nicht zu erwarten. Andererseits habe die russische Öl-
und Gasindustrie angekündigt, ihre Produktion zu erhöhen
und die Erdöl-Förderung im Meer zu verstärken.
Der Betrieb von Förderplattformen und der steigende Transportverkehr
mit Öltankern führe zu mehr Verschmutzungen des verwundbaren
arktischen Ökosystems, befürchtet der UNEP-Report.
Russland plant nach UNEP-Angaben, seine Öl- und Gasförderung
im arktischen Eis bis zum Jahr 2020 auf jährlich 40 Millionen
Tonnen zu erhöhen. Der damit verbundene Schiffsverkehr steigt
voraussichtlich auf das Sechsfache des heutigen Niveaus. Der UNEP-Report
mahnt Notfallpläne an, die bei einer Tankerhavarie in Kraft
treten könnten.
Atom-Schrott und Königskrabben
Darüber hinaus verweist der Report auf zwei weitere Probleme,
die die Barentssee schädigen können: Zum einen ist dies
radioaktiver Abfall der russischen Nordmeerflotte, der in Form
abgewrackter Atom-U-Boote an der Küste von Murmansk im Wasser
liegt.
Zum anderen drohen eingeschleppte Tierarten wie etwa die Königskrabben
das Ökosystem nachhaltig zu verändern. Die Tiere seien
zum Teil in Schiffstanks eingewandert, zum Teil über Fischfarmen
gezielt ausgesetzt worden, kritisiert der UNEP-Report. Derartige
Eingriffe in die Natur fänden zur Zeit im rechtsfreien Raum
statt.
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