Korallen kontern Klimawandel
Korallen können sich offenbar besonders
wärmetolerante Algen als Partner suchen. Vielleicht können
sie so der globalen Erwärmung länger trotzen.
(jkm) - Korallen leben in Symbiose mit einzelligen Algen. Die
Flexibilität dieser Beziehung könnte sich als wahrer
Segen erweisen, haben amerikanische Biologen entdeckt. Nach einem
"Hitzeschock" scheinen die Blumentiere zu besonders
wärmetoleranten Algen als Partnern überzugehen. Vielleicht
können sie so der globalen Erwärmung länger trotzen.
Riffbildende Steinkorallen beherbergen in ihren Zellen Algen
der Gattung Symbiodinium. Erst kürzlich
hatten australische Forscherinnen berichtet, dass die Wirte
offenbar zwischen unterschiedlichen Symbiodinium-Stämmen
wählen können, um optimalen Nutzen aus der Symbiose
zu ziehen. Diese Wahlfreiheit könnte das weltweit beobachtete
Absterben von Korallenriffen bremsen, schreiben Andrew Baker von
der Wildlife Conservation Society und der Columbia University,
New York, im Magazin "Nature".
Baker und seine Kollegen untersuchten vor Panama wachsende Korallen
der Gattung Pocillopora. Bevor die Tiere in den Jahren 1997 und
1998 erhöhte Wassertemperaturen als Folge eines El Niño
aushalten mussten, enthielten 43 Prozent der Kolonien den Symbiodinium-Stamm
D als Partner. Im Jahr 2001 lag der Anteil dagegen bei 63 Prozent.
Untersuchungen vor Kenia und Mauritius sowie im Roten Meer und
Persischen Golf lieferten ähnliche Resultate: Überall
dort, wo die Korallen hohe Temperaturen zu verkraften hatten,
war Stamm D offenbar Symbiont der Wahl.
Mit gutem Grund, glaubt Rob Rowan von der University of Guam.
Der Forscher untersuchte ebenfalls Pocillopora-Korallen, die er
vorübergehend erhöhten Wassertemperaturen von 31,3 bzw.
32 Grad Celsius aussetzte. Die Photosynthese-Effizienz des C-Stamms
ging bei den höchsten Temperaturen merklich zurück und
blieb auch dann auf relativ niedrigem Niveau, wenn die Temperatur
längst wieder bei den gewohnten 28,5 Grad Celsius lag. Umgekehrt
der begehrte D-Stamm: Seine Photosynthese-Leistung stieg sogar
mit der Wassertemperatur, sodass er mit der temperaturbedingt
beschleunigten Atmung seiner Wirte Schritt halten konnte.
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