Tiefsee: Bizarre Kadaverfresser entdeckt
In der Tiefsee entdeckten Forscher bisher unbekannte bizarre Würmer, die von den Knochen toter Wale leben.
(jkm) - Sterben Wale, sinkt ihr Körper auf den Grund der Tiefsee. Dort werden die Kadaver von zahlreichen Tieren zerlegt. Selbst aus den Knochen können manche Lebewesen noch Nährstoffe herauslösen. Australische und amerikanische Forscher fanden bisher unbekannte bizarre Würmer, die in Zusammenarbeit mit Bakterien die Skelette der Meeressäuger zerlegen.
Die Würmer entdeckten die drei Meeresbiologen in 2891 Meter Tiefe am Grund der Monterey Bay vor der Küste Kaliforniens. Dort bevölkerte die bisher unbekannte Spezies das Skelett eines Grauwales, schreiben die Forscher im Magazin "Science". Die Würmer besitzen weder Augen, Mund und Darm noch Gliedmaßen zur Fortbewegung. Die zwei bis sieben Zentimeter langen, rötlichen Tiere tragen an einem Körperende grüne, wurzelartige Ausläufer, die in die Walknochen einwachsen können. In den "Wurzeln" leben Bakterien, die Fette und Öle aus den Knochen lösen und sie den Würmern zugänglich machen. Außerdem bildet sich im Wurzelgeflecht ein Eisack, in dem der Wurm seinen Nachwuchs heranbildet.

© MBARI
Osedax-Würmer besiedeln einen Walknochen
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Zwei Arten identifizierten die Forscher; die gemeinsame Gattung tauften sie "Osedax" – lateinisch für "Knochenfresser". Während sich das eine Ende des Wurmes in den Knochen verankert, atmet das Tier über Verzweigungen am anderen Ende des Körpers, die an Polypenarme erinnern.
Die Forscher konnten anfangs nur weibliche Exemplare der Arten "Osedax rubiplumus" und "Osedax frankpressi" identifizieren. Dann entdeckten sie unter dem Mikroskop, dass die Männchen in großen Gruppen im Inneren der Weibchen leben. Die Männchen wachsen offenbar nicht über das Larvenstadium hinaus, produzieren aber Spermien in großer Zahl, mit denen sie die Eier im Eisack befruchten.

© Greg Rouse
Der grünliche Eisack - hier für das Laborfoto freigelegt
- liegt normalerweise im Walknochen verborgen.
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Ist das Walskelett ausgezehrt, sterben die Osedax-Würmer ab. Bis dahin müssen möglichst viele ihrer Nachkommen das Larvenstadium erreicht haben, um sich von den Strömungen der Tiefsee zum nächsten Walkadaver treiben zu lassen.
Osedax ist nach Erbgut-Vergleichen der Forscher mit jenen Würmern verwandt, die an den heißen Schwefelwasserquellen der Tiefsee leben. Auch diese Verwandten können nur in Symbiose mit Bakterien existieren. Osedax entwickelte sich offenbar schon vor rund 42 Millionen Jahren zu einer eigenen Gattung – zeitgleich mit den ersten Walen. Deren Kadaver könnten noch zahlreichen anderen, bisher unbekannten Spezies als Lebensraum dienen, spekulieren die Forscher.
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