Ostsee: Fischfutter in der Zwickmühle
Wenn Fischlarven in der Ostsee satt werden wollen,
müssen sie möglicherweise tief tauchen.
(jkm) - Ein kleiner Ruderfußkrebs, dem eine wichtige Rolle
für die Ernährung des Fischnachwuchses zugeschrieben
wird, scheint nach den Untersuchungen einer deutsch-dänischen
Forschergruppe nur zwischen 60 und 70 Metern Wassertiefe zu gedeihen.
Gefangen zwischen Sauerstoffmangel und Salzmangel, könnte
es künftig sogar noch enger für den Krebs werden - und
damit vielleicht auch für die arg strapazierten Fischbestände.
Das wäre der Fall, wenn die klimatisch bedingte "Aussüßung"
der Ostsee weiter fortschreiten würde, so Frank Hansen vom
Institut für Ostseeforschung in Warnemünde und seine
Kollegen. In den letzten Jahren hätten die Salzgehalte in
den oberen Wasserschichten der Ostsee kontinuierlich abgenommen.
Oithona similis, so der Name des Untersuchungsobjekts, brauche
jedoch ein gewisses Maß an Salz.
Der kaum millimetergroße Ruderfußkrebs gehört
zum Zooplankton, dem Bindeglied zwischen den Photosynthese betreibenden
Algen und größeren Tieren. Die Art kommt in allen Meeren
vor. Ausgerechnet in der Ostsee scheint sie sich jedoch nur zwischen
60 und 70 Metern Wassertiefe wohl zu fühlen, fanden die Forscher
bei ihrer Untersuchung in der Bornholmsee. Ihre Befunde präsentierten
sie kürzlich im "Journal of Plankton Research".
Dass Oithona similis nicht tiefer abtaucht, war für die
Meeresbiologen keine Überraschung. In dieser Tiefe liegt
in den Ostseebecken nämlich die Salzgehaltssprungschicht,
die den Wechsel von salzreichem, aber sauerstoffarmen Wasser in
der Tiefe zu dem darüber liegenden gut durchlüfteten,
aber brackigen Wasser markiert. Erstaunlich war jedoch, dass die
Salzgehalte dem Ruderfußkrebs bereits zehn Meter über
der Sprungschicht nicht mehr ausreichen.
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