Schimpansen sterben an Milzbrand
Der Tod mehrerer Schimpansen durch Milzbrand ist nicht nur eine Gefahr für die stark vom Aussterben bedrohten Tiere, sondern auch ein Risiko für den Menschen.
(jkm) - Ebola und HIV zeigen, dass im Regenwald für den Menschen gefährliche Krankheitserreger lauern. Auch der Milzbranderreger Bacillus anthracis gehört zu diesen Organismen, berichtet eine internationale Forschergruppe im Magazin "Nature". In einem Nationalpark im westafrikanischen Côte d'Ivoire starben demnach mehrere Schimpansen binnen kurzer Zeit an der Krankheit.
"Unabhängig von der Infektionsquelle ist das Auftreten von Milzbrand bei Primaten Besorgnis erregend - nicht nur als Gefahr für stark vom Aussterben bedrohte Spezies, sondern auch als potenzielles Risiko für Menschen", schreiben die Forscher um Fabian Leendertz vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Insbesondere bei der Jagd auf Menschenaffen und beim Verzehr des "Bushmeat" bestehe Infektionsgefahr.
Die Forscher aus Deutschland und Côte d'Ivoire untersuchten eine Reihe von Todesfällen unter Schimpansen (Pan troglodytes verus) im Taï-Nationalpark. Zwischen Oktober 2001 und Juni 2002 starben dort acht Tiere, die wenige Stunden zuvor noch völlig gesund gewirkt hatten. Tests an sechs Kadavern lieferten keine Hinweise auf eine Infektion mit Ebola-, Marburg- oder Lassaviren, dafür fanden sich in allen untersuchten Geweben stäbchenförmige Bakterien. Anhand ihrer DNA konnten die Mikroben als Bacillus anthracis identifiziert werden, der Erreger des Milzbrands.
Milzbrand sei bei Huftieren wie Antilopen relativ häufig, so Leendertz und Kollegen, bei Regenwaldbewohnern sei er bislang jedoch nicht bekannt gewesen. Obwohl die Schimpansen im Taï-Nationalpark intensiv beobachtet werden, sei der Ansteckungsweg unklar. Denkbar sei, dass sich die Tiere beim Verzehr infektiösen Fleischs oder beim Trinken kontaminierten Wassers angesteckt hätten. Allerdings könnten die Erreger auch von Rindertransporten stammen, die den Nationalpark aufgrund der fortschreitenden Abholzung des umgebenden Regenwalds in immer geringerer Entfernung passierten.
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