Die Axt im Gorilla-Wald
Illegale Arbeiter zerstören eins der letzten
Rückzugsgebiete der vom Aussterben bedrohten Berggorillas
in Ostafrika.
(vv) - Illegale Arbeiter rodeten in den vergangenen Monaten einen
Teil des Regenwalds im Virunga Nationalpark im Osten der Demokratischen
Republik Kongo, teilte die Umweltstiftung WWF in Frankfurt mit.
Der Virunga Nationalpark ist Teil des UNESCO-Weltnaturerbes und
Heimat eines der am stärksten bedrohten Tiere: des Berggorillas.
Noch im April hatte der WWF bestätigt, dass der Wald weitgehend
intakt ist. Wie der WWF nun vom kongolesischen Institut für
Naturschutz erfuhr, waren seither mehrere tausend Menschen aus
Ruanda und Kongo mit Unterstützung örtlicher Machthaber
in das Schutzgebiet eingedrungen. Sie hätten mit Axt und
Säge wertvollen Lebensraum der Gorillas zerstört und
in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. Insgesamt seien
ihnen 1.500 Hektar Wald zum Opfer gefallen. Der WWF forderte die
kongolesischen und ruandischen Behörden dazu auf, die illegalen
Machenschaften zu bekämpfen, um den Schutz der Berggorillas
nicht weiter zu gefährden. Nach ersten Verhandlungen zwischen
Behörden und Militärs wurden die Rodungen mittlerweile
eingestellt. Doch der WWF befürchtet, dass die Gefahr noch
nicht gebannt ist. "Was in Virunga passiert, ist ein Desaster",
sagt Stefan Ziegler, Artenschutzexperte des WWF.

© WWF-Canon Martin Harvey
Berggorillas (Gorilla beringei beringei)
im Virunga Nationalpark im Osten der Demokratischen Republik
Kongo.
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Die Berggorillas wurden durch den Verlust ihres Lebensraums und
durch Wilderei innerhalb des letzten Jahrhunderts an den Rand
des Aussterbens gebracht. Dem jahrzehntelangen Engagement von
Umweltschützern ist es zu verdanken, dass im Virunga Nationalpark
noch etwa die Hälfte der letzten Berggorillas leben. Trotz
des langwierigen Bürgerkriegs in der Region hat sich der
Bestand der bereits verloren geglaubten Menschenaffen auf rund
700 Tiere erhöht. "Die bisherigen Erfolge für die
Berggorillas sind groß, aber die positiven Entwicklungen
der letzten Jahre könnten innerhalb kürzester Zeit zunichte
gemacht werden", befürchtet Stefan Ziegler. Berggorillas
sind wie alle Menschenaffen besonders stark von Wilderei und der
Abholzung ihres Lebensraums bedroht, da sie den Verlusten einzelner
Tiere nur wenig entgegenzusetzen haben: Sie pflanzen sich nur
sehr langsam fort. Ein Weibchen bekommt im Durchschnitt nur alle
vier Jahre ein Baby.
Der WWF setzt sich seit mehreren Jahrzehnten für die Berggorillas
ein: Ziel ist es, den Lebensraum der Tiere zu bewahren und sie
vor den Gewehren und Fallen von Wilderern zu schützen. Zwar
ist die Jagd auf die Gorillas seit mehr als zwanzig Jahren verboten,
doch noch immer verkaufen Wilderer das "Buschfleisch"
auf den Märkten oder direkt an Arbeiter und Siedler. Mit
Hilfe des WWF werden Wildhüter ausgebildet, die die Tiere
vor Übergriffen schützen. Außerdem werden Maßnahmen
entwickelt, damit die Bevölkerung vom Schutz der Tiere und
des Nationalparks finanziell profitiert: So trägt zum Beispiel
naturverträglicher Tourismus dazu bei, dass die Menschen
ihre tierischen Mitbewohner wertschätzen. Der Öko-Tourismus
mit den Gorillas bringt der Region jedes Jahr Einnahmen von schätzungsweise
zwei Millionen US-Dollar.
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