Schildkrötenbabys statt Sandburgen
Viele Schildkröten-Nester an den Stränden des Mittelmeers sind durch unkontrollierten Tourismus bedroht, warnt der WWF zu Beginn der Feriensaison.
(vv) - Schutzgebiete in Griechenland, die eigentlich den Meeresschildkröten vorbehalten sein sollen, werden missachtet oder nur schlecht bewacht, teilte die Umweltstiftung WWF am Mittwoch mit. Der WWF appelliert dehalb an Touristen, während ihres Strandurlaubs einige Regeln zu beachten, um die Eiablage und den Nachwuchs der Schildkröten nicht unnötig zu gefährden. Nach Ansicht des WWF setzen beispielsweise die griechischen Behörden auf der beliebten Urlaubsinsel Zakynthos bestehende Gesetze zum Schutz der Schildkröten nur unzureichend um. Im ganzen Mittelmeer findet man nirgendwo sonst so viele Nester der stark gefährdeten Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) wie auf Zakynthos.
Jedes Jahr legen die Weibchen zwischen Ende Mai und Ende Juli rund 800 bis 1.100 Gelege an den Stränden von Zakynthos ab. Dazu graben sie Sandgruben, in die sie jeweils etwa 100 Eier hineingleiten lassen. Nach ungefähr zwei Monaten schlüpfen die Schildkrötenbabys und machen sich im Schutz der Nacht auf den gefährlichen Weg ins Meer. Dabei orientieren sie sich am hellen Schimmern der Meeresoberfläche. Gelingt es ihnen, den am Strand lauernden Katzen, Hunden und Raubvögeln zu entkommen, können die Schildkröten bis zu 100 Jahre alt werden. Doch bis dahin ist es ein langer Weg: Man schätzt, dass nur jede tausendste Schildkröte das Erwachsenenalter erreicht. Dieses tritt erst relativ spät ein. Die Unechte Karettschildkröte ist erst mit etwa dreißig Jahren geschlechtsreif.

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Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta)
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Urlauber müssen Rücksicht nehmen
"Die Brutzeit der Schildkröten und die Hauptsaison der Tourismusbranche in Griechenland fallen genau zusammen. Die Urlauber müssen Rücksicht nehmen und sollten sich die begehrten Sandstrände einfach mit den Schildkröten teilen. Dazu gehört, dass die Nist-Strände vor allem nachts ungestört bleiben", fordert Birgit Felgentreu vom WWF Deutschland. Die Biologin arbeitet als Artenschützerin des WWF und hat sich während ihres Studiums in einem Schildkrötenprojekt auf Zakynthos engagiert. Sie bittet alle Urlauber um Mithilfe beim Schutz von Meeresschildkröten und fordert sie dazu auf:
- die Anweisungen an den Nist-Stränden zu beachten
- nicht im Sand zu wühlen und auf den Bau von Sandburgen zu verzichten
- keine Sonnenschirme oder anderen spitzen Gegenstände in den Sand zu stechen
- nachts keine Strand-Spaziergänge zu unternehmen
- am frühen Morgen nicht am Strand entlang zu joggen
- Schildkrötenbabys nicht anzufassen und sie nicht durch künstliches Licht (von Kraftfahrzeugen, Fahrrädern, Taschenlampen) zu irritieren.
Der Tourismus ist nur einer von vielen Faktoren, der die Schildkröten auf Zakynthos bedroht: Einige Bewohner der Insel boykottieren nach Angaben des WWF den Schutz der Reptilien, da sie finanzielle Nachteile befürchten.
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