Infrarot-Auge rettet Rehkitze
Jedes Jahr fallen einige zehntausend Rehkitze der Frühjahrsmahd landwirtschaftlicher Wiesen zum Opfer. Das kann ein neuer Wildretter verhindern.
(jkm) - Erfreuliche Zahlen vermelden Landwirte und Jäger, die in Österreich den im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelten "Wildretter" nutzen. Allein in diesem Jahr konnten dank Infrarot-Kontrolle gut 2.500 Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt werden. Um Mikrowellensensoren erweitert, soll das Instrument künftig noch zuverlässiger im Gras verborgene Tiere aufspüren.
Rehe bringen ihren Nachwuchs ab Mai zur Welt und lassen die Kitze in den ersten Lebenswochen gut getarnt im hohen Gras allein. Gerade zu dieser Zeit fahren die Landwirte die Frühjahrsmahd ein. Nähert sich ein Traktor einem Kitz, rennt dieses jedoch nicht etwa weg, sondern drückt sich reglos an den Boden. Als Folge kommen allein in den alten Bundesländern Deutschlands in jedem Frühsommer 60.000 Kitze ums Leben, die Zahl der insgesamt getöteten oder verstümmelten Wildtiere wird auf über 400.000 geschätzt.

© DBU
"Warmes Wasser": Die Kombination von Infrarot- und Mikrowellen-Sensor (Wärme und Wasser) ermöglicht eine eindeutige Erkennung von Wild.
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Eine ebenso einfache wie effektive Gegenmaßnahme hat Volker Tank vom DLR in Oberpfaffenhofen bereits vor mehreren Jahren ersonnen. Sein Wildretter besteht aus einer Stange, an der eine Reihe von Infrarotsensoren angebracht ist. Vor der Mahd schreitet der Landwirt mit dem Gerät die Wiese ab und kann so im kühlen Gras verborgene Kitze anhand ihrer Körperwärme entdecken und aus der Gefahrenzone bringen. Laut den seit 1999 in Österreich geführten Statistiken konnten mit diesem Instrument bislang insgesamt 6.000 Kitze gerettet werden.
Das Gerät kann jedoch falschen Alarm geben, wenn Sonnenstrahlen auf die Wiese fallen und den Boden ungleichmäßig erwärmen. Daher muss mit der Kitzsuche bereits in den frühen Morgenstunden begonnen werden. Als Lösung ergänzen Tank und Kollegen den Wildretter derzeit um Mikrowellensensoren, die auf Wasser ansprechen. Das Gerät kann Kitze und andere Tiere daher als "warmes Wasser" von kühlem Tau oder aufgeheizten Erdreich unterscheiden. Eine künftige Version soll zudem als Ausleger am Traktor befestigt werden können und so eine gleichzeitige Mahd und Überwachung des Grases erlauben.
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