Lemuren: Winterschlaf bei Affenhitze
Auch Primaten halten "Winterschlaf":
Auf Madagaskar verschlafen Makis sieben Monate im Jahr, auch wenn
es sommerlich warm ist.
(vv) - Auch manche Primaten fallen in den Winterschlaf - noch
dazu in den Tropen. Das ist das Ergebnis einer Felduntersuchung
der Arbeitsgruppe um Gerhard Heldmaier und Kathrin Dausmann von
der Universität Marburg, die jetzt im Wissenschaftsmagazin
"Nature" veröffentlicht wurde. Der auf Madagaskar
beheimatete nachtaktive Fettschwanzmaki Cheirogaleus medius macht
dabei während sieben Monaten im Jahr das Beste aus seiner
Situation: Er schaltet seine innere Wärmeregulierung ab und
lässt stattdessen - wie ein Reptil - seine Körpertemperatur
mit der Umgebungstemperatur schwanken.
Anders als andere Winterschläfer, die regelmäßig
wach werden müssen, um sich aufzuwärmen, kann der Fettschwanzmaki
sogar durchschlafen. Einzige Voraussetzung dafür: Die Umgebungswärme
muss seine Körpertemperatur alle paar Tage auf über
dreißig Grad Celsius ansteigen lassen. Das wiederum geschieht
nur, wenn der Primat zum Beispiel in einer Baumhöhle überwintert,
die nur schlecht gegen Schwankungen der Umgebungstemperatur geschützt
ist.
Diejenigen seiner Artgenossen hingegen, die ein besser isoliertes
Quartier tief im Wurzelstock eines Baumes gewählt haben -
dessen Temperatur bei 22 Grad Celsius konstant bleibt -, wachen
etwa alle sieben Tage auf, um ihre Temperatur für einige
Stunden auf 33 Grad Celsius anzuheben. Das ist aber immer noch
deutlich kürzer als die ein bis zweitägigen Wachperioden
der Winterschläfer in gemäßigten oder arktischen
Breiten. Letztere steigern bei dem spontanen Erwachen ihre Körpertemperatur
auf etwa 36 Grad Celsius und benötigen dazu den größten
Teil der für die Wintermonate gespeicherten Fettreserven.
Die Ursachen für das spontane Erwachen sind nicht bekannt.
Am effizientesten ist Winterschlaf ohne Unterbrechungen, denn
so sparen die Tiere die für das Aufheizen und die Wachphasen
erforderliche Energie.

© Kathrin Dausmann
Der Fettschwanzmaki (Cheirogaleus medius)
verdankt seinen Namen dem üppig entwickelten Schwanz,
der als Fettspeicher für die lange Schlafphase dient.
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Erstmals Winterschlaf bei Primaten nachgewiesen
Die Erkenntnisse von Dausmann und Heldmaier sind die erste physiologische
Bestätigung für einen echten Winterschlaf bei einem
tropischen Säugetier. Gleichzeitig haben die Forscher erstmals
den Winterschlaf eines Primaten nachgewiesen. Bislang hielt man
den Winterschlaf immer für eine Reaktion auf Kälte.
Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass er auch ohne Kälte
möglich ist, da der Stoffwechsel selbst bei hoher Körpertemperatur
auf Sparflamme geschaltet werden kann.
Winterschläfer der gemäßigten oder arktischen
Breiten und ihre tropischen Pendants verbringen den jeweiligen
Winter unter sehr unterschiedlichen Umständen. Während
sich erstere in tiefe Erdlöcher und Höhlen mit nahezu
konstanten, wenn auch niedrigen Temperaturen zurückziehen,
verbringen etwa die Makis viele Monate in Baumhöhlen und
sind kontinuierlich stark schwankenden und oft auch hohen Temperaturen
ausgesetzt.
Im Fall der Fettschwanzmakis, die von den Forschern mit einer
Kombination aus Telemetrie- und Wärmesensor ausgestattet
worden waren, schwankt die Körpertemperatur im Durchschnitt
um nahezu zwanzig Grad Celsius. Im Extremfall fällt sie dabei
auf unter zehn Grad Celsius ab oder steigt auf über 35 Grad
Celsius an - je nach Außentemperatur. Solche starken Schwankungen
waren bei Säugetieren bislang unbekannt.
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