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Freiheit für den Rothirsch

Mehr Freiheit für das größte heimische Säugetier fordert die Deutsche Wildtier Stiftung.

(vv) - Der Rothirsch muss mehr Rechte bekommen: Er soll seinen Lebensraum frei wählen und seinen Lebensrhythmus eigenständig bestimmen dürfen. Das ist eines der Ergebnisse des zweiten Rotwildsymposiums, das die Deutsche Wildtier Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Wildökologie und Jagdkunde der TU Dresden am 7. und 8. Mai in Bonn veranstaltete. Was sich so selbstverständlich anhöre sei ein hartes Stück Arbeit, denn es bedürfe des Zusammenspiels so verschiedener Interessensgruppen wie Wissenschaftlern, Politikern und Funktionären aus den Bereichen Jagd, Land- und Forstwirtschaft sowie Naturschutz.

Schluss mit der "Verwaltung des Rothirsches"

Das Leben von Hirschen unterliege hierzulande vielerlei Gesetzen, Vorschriften und Interessen. Diese drohten das größte in Deutschland lebende Säugetier mehr und mehr in seiner natürlichen Lebensweise einzuschränken. In Bonn sei es darum gegangen, endlich einmal die Ansprüche der Tiere in den Vordergrund zu stellen, so die Stiftung.

Die Autoren des "Leitbild für das Rotwild-Management in Deutschland", die Wildbiologen Ulrich Wotschikowsky und Olaf Simon, fordern deshalb eine Ausweitung und Vernetzung der Lebensräume der Rothirsche mit genügend Flächen auch außerhalb der Wälder bei gleichbleibender Anzahl der Hirsche.

Dass ein solches Leitbild notwendig wurde, sei die Folge einer Reihe von Eingriffen des Menschen in die Natur: Intensive Landnutzung, dichte Besiedelung und ein engmaschiges Straßennetz - in einem Industrieland wie Deutschland stoße ein so großes Tier wie der Hirsch, das ein weitläufiges Areal für seine Wanderungen brauche, schnell an seine Grenzen. Der Hirsch habe darauf mit einer starken Veränderung seiner Lebensweise reagiert.

Veränderte Lebensweise

Aus dem einst tagaktiven Tier, das sich vorwiegend in offenen und halboffenen Landschaften aufhielt, ist ein scheues, nachtaktives Tier geworden, das sich mehr und mehr in die Wälder zurückgezogen hat. Dort richten die Rudeltiere sehr zum Leidwesen der Förster teilweise starke Verbiss- und Schälschäden an Bäumen an. Deshalb fordern sie eine starke Reduzierung, was wiederum den Jägern missfällt. Die Gesetzgebung tue ihr Übriges: Jeder Rothirsch, der sich außerhalb der amtlich festgesetzten Rotwildgebiete bewegt, muss erlegt werden.

Der Wildökologe Professor Sven Herzog von der TU Dresden beschreibt die Folgen: "Eine immer stärkere 'Verinselung' der einzelnen Populationen führt langfristig zu einer immer geringeren Mischung des Erbguts bei der Fortpflanzung. Das kann irgendwann die Anpassungsfähigkeit der ganzen Art beeinträchtigen." Inzwischen lebe das Rotwild in Deutschland nur noch auf einem Fünftel der Fläche seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets. Entsprechend selten begegne man ihm.

Projekte für den Rothirsch

"Für die Deutsche Wildtier Stiftung ist es ein wichtiges Ziel, den Rothirsch für die Menschen wieder erlebbar zu machen und damit eine neue Wertschätzung des größten deutschen Säugetiers zu erreichen. Viele der auf dem Rotwildsymposium geforderten Punkte setzen wir auf den Flächen des Gutes Klepelshagen bereits um", so Haymo G. Rethwisch, Stifter der Deutschen Wildtier Stiftung.

Zum Areal der Forschungsstation Gut Klepelshagen der Deutschen Wildtier Stiftung gehöre beispielsweise eine großflächige Offenlandschaft, das so genannte "Tal der Hirsche". Der Versuch, den Hirschen hier einen artgerechten Lebensraum zur Verfügung zu stellen, sei dort belohnt worden: Inzwischen könnten die Tiere auch tagsüber wieder beobachtet werden.

Außerdem konnte die Stiftung zeigen, wie wichtig Brachflächen sind, die gerade auch für Hirsche eine Lebensraumalternative zum Wald darstellen und verhindern können, dass diese Schäden auf Feldern und Äckern verursachen. "Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, auch die Agrarpolitik und ihre Instrumente für den Rothirsch zu nutzen", so der Geschäftsführer Naturschutz und Umweltpolitik der Stiftung, Hilmar Freiherr von Münchhausen.

 

 Mehr Informationen:

Deutsche Wildtier Stiftung

Der Rothirsch

 

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