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Pro Wildlife kritisiert Tropenholzhandel: "Auch FSC bietet keine Sicherheit"

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife hat heftige Kritik am Handel mit Tropenhölzer geäußert. Auch "Ökosiegel" wie das FSC-Zertifikat böten keine Garantie auf naturverträgliche Waldbewirtschaftung.

(vv) - Ein von der Organisation erarbeiteter Bericht dokumentiere die verheerenden Folgen des Tropenholzhandels für Primaten, erklärte Pro Wildlife in München. Während große Affenarten alarmierende Bestandsrückgänge erlitten, werde in der öffentlichen Wahrnehmung Tropenholz wieder enttabuisiert. In der Kritik sieht Pro Wildlife dabei auch die sogenannten Ökosiegel, darunter das FSC-Zertifikat (Forest Stewardship Council).

"Fazit unserer Analyse ist: Umweltbewusste Verbraucher vertrauen auf Ökosiegel, obwohl es derzeit kein zuverlässiges Label gibt, das die Naturverträglichkeit eines Tropenholzproduktes gewährleisten kann", betonte Dr. Sandra Altherr, Autorin der Studie. Die Organisation forderte ein Umdenken bei Konsumenten und Regierung.

Menschenaffen bedroht

Der Bericht gebe einen Einblick in die nach wie vor zerstörerische Holzwirtschaft in Indonesien, Malaysia, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo. Alle sechs Menschenaffen-Arten (Sumatra- und Borneo Orang-Utan, Schimpanse, Bonobo, Westlicher und Östlicher Gorilla) sowie zahlreiche weitere hochbedrohte Primaten (z.B. Nasenaffen, Drills, Preuss-Meerkatzen) litten direkt an den Folgen des ungebremsten Holzeinschlags.

Holzeinschlag und Wilderei seien eng miteinander verflochten: Wilderer nutzten die Erschließung unzugänglicher Waldgebiete durch die Holzfällerstraßen. Sie versorgten die Holzfällercamps mit Fleisch, vielerorts seien Affen die bevorzugte Beute. Das gewilderte Fleisch werde mit Holztrucks zu den Absatzmärkten in den Städten transportiert.

Kunden schlecht informiert

Eine von Pro Wildlife durchgeführte Umfrage weise auf einen schlechten Informationsstand der Kunden hin. Fast 60 % hielten das FSC-Zertifikat für glaubwürdig, über 40% die Angabe "Kontrollierter Plantagenanbau". Mit Ausnahme von Teak und Mahagoni hätten die Kunden zudem in der Regel nicht gewusst, welche Hölzer aus den Tropen kommen. Balau, Iroko oder Meranti würden nicht als Tropenhölzer erkannt, Produkte entsprechend unkritisch gekauft.

Plantagen seien keineswegs ökologisch unbedenklich, sondern hätten häufig dramatische Auswirkungen auf die Umwelt, kritisert Pro Wildlife. Auch das von einigen Umweltverbänden und der Bundesregierung unterstützte FSC-Zertifikat sei kein zuverlässiger Schutz für Tropenwälder.

Deutschland sei mit geplanten 125 Millionen Euro im Jahr führender Geldgeber für Tropenschutzprojekte. "Damit trägt die Bundesregierung eine ganz besondere Verantwortung, fährt dabei allerdings einen gefährlichen Kurs", so Altherr.

Andere Organisationen für FSC

Andere Umweltorganisationen teilen die Kritik am FSC-Siegel jedoch nicht. So rät Robin Wood zwar zum Kauf von Möbeln aus heimischen Hölzern, "Tropenholz ist immer zweite Wahl und allenfalls mit FSC-Siegel akzeptabel", sagt Peter Gerhardt, Tropenwaldreferent bei Robin Wood. Doch FSC sei das einzig glaubwürdige Siegel für Tropenholz. Auch die Umweltstiftung WWF unterstützt seit langem das FSC-Siegel.

 


© ArtToday

Flachland-Gorilla: Alle sechs Menschenaffen-Arten leiden an den Folgen des ungebremsten Holzeinschlags.

 

 Mehr Informationen:

Studie "Affenschande - Die Vernichtung der Tropenwälder und die Folgen für Primaten" (pdf)

FSC Arbeitsgruppe Deutschland

vista verde: Holzlabel

 

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