Osteuropa: Prachtvolle Mitgift in Gefahr
Der Naturreichtum der neuen EU-Beitrittsstaaten
ist eine Bereicherung für Europas Natur - gleichzeitig könnten
die wertvollen Gebiete jedoch EU-Projekten zum Opfer fallen.
(vv) - Der Naturschutzbund NABU hat anlässlich des bevorstehenden
Beitritts der neuen EU-Mitgliedstaaten auf den weltweit bedeutenden
Naturreichtum dieser Länder hingewiesen. "Was im übrigen
Teil des Kontinents längst durch einen verantwortungslosen
Umgang mit der Natur für immer verloren gegangen ist, bringen
die Beitrittsstaaten als prächtige Mitgift in die europäische
Ehe ein", sagte NABU-Vizepräsident Thomas Tennhardt.
Eine der großen Herausforderungen der Erweiterung bestehe
darin, die natürlichen Reichtümer nicht zu verprassen,
sondern sie zu bewahren und naturverträglich zu bewirtschaften.
Unverbaute Küsten, die letzten von Menschenhand unberührten
Urwälder Europas, unzugängliche Moorlandschaften sowie
zahlreiche neue Tier- und Pflanzenarten seien ein großer
Gewinn für das EU-Schutzgebietssystem "Natura 2000".
Europas wilder Osten bietet enormen Naturreichtum
Die neuen EU-Staaten brächten eine faszinierende Aussteuer
an Naturschätzen mit in die europäische Ehe, meint auch
die Umweltstiftung WWF. Vieles, was in den alten EU-Staaten längst
verloren gegangen sei, habe in den neuen Ländern überlebt,
sagt Claude Martin, der Generaldirektor des WWF.
Aufholprozess bringt neue Belastungen für
die Umwelt
Mit dem zu erwartenden wirtschaftlichen Aufholprozess seien
nach Einschätzung des NABU jedoch neue Belastungen für
Natur und Umwelt zu erwarten. "Wenn die europäische
Agrar- und Regionalpolitik einseitig die Intensivierung der Landwirtschaft,
den Straßenbau und die Zersiedelung der Landschaft fördert,
kann dies das Ende der osteuropäischen Naturschätze
bedeuten", so Tennhardt.
Verkehrsprojekte gefährden Naturlandschaften
Neben der EU-Landwirtschaftspolitik sieht der NABU vor allem
in fragwürdigen Verkehrsprojekten eine ernsthafte Bedrohung
für die natürliche Artenvielfalt und die gewachsenen
Natur- und Kulturlandschaften. Schlimmstes Beispiel seien die
so genannten Transeuropäischen Netze (TEN), die in 29 Verkehrsvorhaben
mit dem Ausbau von 75.000 Straßenkilometern, 12.000 Kilometer
Wasserstraßen, 78.000 Kilometer Bahnstrecken, 330 Flughäfen
sowie fast 500 See- und Binnenhäfen geknüpft werden
sollen. Deshalb müssten alle TEN-Projekte, die gegen europäisches
Umweltrecht verstießen, gestrichen werden.
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