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- 27.04.2004 -

 

 

 


 

Grenzenloser Artenschmuggel in der EU?

Der Wegfall der europäischen Grenzen am 1. Mai stellt nach einer aktuellen Studie der Umweltstiftung WWF ein Bedrohung für viele gefährdete Arten dar.

Frankfurt a. M. (vv) - Wenn der europäische Binnenmarkt ab dem 1. Mai zehn weitere Staaten umfasst, schlägt die Stunde der Artenschmuggler, warnt die Umweltstiftung WWF. "Illegale Händler aus den Beitrittsländern warten auf die Öffnung der Grenzen, um exotische und bedrohte Papageien, Schildkröten, Schlangen oder Orchideen auf den profitablen Schwarzmärkten Westeuropas zu verkaufen", sagt der WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. Auch in umgekehrter Richtung - von West nach Ost - befürchtet der WWF eine Zunahme des Schmuggels.

Die künftig 25 EU-Staaten müssten ihre Bemühungen im Kampf gegen den illegalen Handel rasch verstärken, um bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Dies sei laut WWF das Fazit einer am heutigen Dienstag (27.4.) in Brüssel veröffentlichten Studie von TRAFFIC, dem gemeinsamen Artenschutzprogramm der Weltnaturschutzunion IUCN und dem WWF. Der Report kritisiert, dass das Personal an den bisherigen EU-Außengrenzen zum Beispiel auch in Deutschland drastisch reduziert wird.

Die in einigen Beitrittsländern im Vergleich zur EU niedrigeren Artenschutzstandards und die schwächeren Kontrollen ermöglichten es den Händlern, bis zum 1. Mai bedrohte Tiere und Pflanzen zu horten. Beim Beitritt dieser Länder zur Europäischen Union könnten die geschützten Arten dann ohne lästige Grenzkontrollen auf Europas Märkten angeboten werden.

 


© WWF-Canon Roger LeGuen

Gelbbrust-Ara (Ara ararauna): Artenschmuggel in der EU nimmt zu.

 

Laut der TRAFFIC-Studie wurden zum Beispiel in den Jahren 2000 bis 2002 mehr als 1.000 stark gefährdete Ägyptische Landschildkröten nach Polen und Malta geschmuggelt. Jetzt sei es sehr wahrscheinlich, dass die begehrten Tiere nach dem Beitritt Abnehmer in den alten EU-Staaten finden. Auch gebe es Hinweise, dass exotische Blaumaskenamazonen (eine stark gefährdete Papageienart) und Madagassische Schnabelbrustschildkröten in Tschechien gehalten werden. Sie kosteten auf dem Schwarzmarkt mehrere tausend Euro pro Exemplar.

Der WWF befürchtet zudem, dass die größere Außengrenze der EU - sie wird im Zuge der Erweiterung um ein Drittel länger und künftig von sieben statt bisher drei Staaten bewacht - neue Probleme mit sich bringen wird. "Schon die heutigen EU-Länder haben Probleme, den Artenschmuggel einzudämmen. Die neuen Grenzländer sind auf diese Herausforderung nur unzureichend vorbereitet", sagt Homes. "Wir brauchen deshalb dringend eine engere Zusammenarbeit der betroffenen Behörden in den 25 EU-Staaten. Die EU-Staaten müssen jetzt handeln, um die Zunahme des Artenschmuggels in Europa zu verhindern."

 

 Mehr Informationen:

WWF: Goldene Zeiten für Artenschmuggler?

Die TRAFFIC-Studie (pdf)

 

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