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- 26.04.2004 -

 

 

 


 

Sie lieben es feucht und krumm: «Fledermaushotel» in Rheinsberg

Diese Hotelgäste lieben es feucht und bevorzugen krumme Wände mit Rissen: Fledermäuse. In Brandenburg entsteht jetzt ein «Fledermaushotel».

Von Imke Hendrich, dpa

Rheinsberg (dpa) - Diese Hotelgäste lieben es feucht und bevorzugen krumme Wände mit Rissen: Die Wünsche der Fledermäuse nördlich von Berlin werden schon bald erfüllt, denn in Rheinsberg (Brandenburg) entsteht ein «Fledermaushotel». «Im Mai beginnen die Bauarbeiten und bis die Tiere ihr Winterquartier aufsuchen, wird die Herberge fertig sein», sagt Architekt Harald Korthals von der Projektentwicklung Harm (Waren/Müritz), die in Rheinsberg derzeit ein Hafendorf errichtet. Als Ausgleichsmaßnahme hat sie sich zu dem in seiner Art laut Korthals wohl bundesweit einmaligen Projekt verpflichtet.

«In ihrem Unterschlupf sollen die gefährdeten Tiere alles finden, was sie in einem Winterquartier so brauchen.» So werde es für die kleinen Gesellen regelrechte Appartements geben unter anderem mit unterschiedlich großen Hohlraumsteinen für die Nachtruhe, vielen Mauervorsprüngen und schiefen Wänden zum Nisten. Eine ständige «Bewässerung» - durch Löcher in der Betondecke kann Wasser aus Regen oder Schnee durchsickern - solle für die aus Sicht der Tiere angenehme Feuchtigkeit gesorgt sein. Und das Ganze ist unterirdisch.

Auf einem Areal in der Nähe des Hafendorfes wurden laut Korthals 200 000 Kubikmeter Aushub aus dem Hafenbecken aufgehäuft, die bepflanzt werden sollen. Unter dem Hügel entstehe das «Fledermaushotel», das etwa zwei Meter hoch und 100 Quadratmeter groß sein werde. «Über zwei Einflugschneisen können die Tiere einfliegen, aber die Schneisen sind groß genug und mit Steigeisen versehen, dass Naturschützer nach dem Rechten sehen können», sagt Korthals. Schon im Vorfeld des nach seinen Angaben rund 30 000 Euro teuren Projektes sei eng mit den Fledermausexperten zusammengearbeitet worden.

«Wir begrüßen dieses Projekt außerordentlich, weil die nötigen Winterquartiere für die 18 Arten in Brandenburg nur noch selten sind», sagt Dietrich Dolch von der Naturschutzstation Zippelsförde des Landesumweltamtes. Früher fanden sie in feuchten Kellern, in denen etwa Kartoffeln oder Rüben gelagert wurden, Unterschlupf. «Doch wo gibt es das noch.» Allerdings warnt Dolch vor zu großer Euphorie angesichts des Projektes: «Das ist eine gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahme, schließlich hat der Hafendorf-Investor eine Hotelruine, die den Fledermäusen als Quartier diente, gesprengt.»

Dolch rechnet damit, dass in der neuen Herberge etwa fünf Arten Zuflucht suchen werden. Wie viele Exemplare es sein werden, sei noch nicht zu schätzen. Laut Dolch gibt es in Brandenburg Fledermaus- Winterquartiere unter anderem in ehemaligen Militärbauten, aber es seien auch eigens Unterschlupfe entstanden. In seiner Art sei das Rheinsberger Projekt jedoch etwas Besonderes.

Nach Auskunft von Korthals hat der Investor des Hafendorfes - dort seien neben den bereits gebauten Ferienhäusern unter anderem ein Hotel, ein Golfplatz und eine Veranstaltungshalle geplant - noch weitere Vorhaben für die Tierwelt. «Im Hafendorf selbst werden Schlafplätze und Wochenstuben für Fledermäuse entstehen. Unter anderem sind auch Nisthilfen für Mauersegler geplant.»

 


© ArtToday

Fledermäuse lieben es feucht und bevorzugen krumme Wände mit Rissen.

 

 Mehr Informationen:

Hafendorf Rheinsberg

vista verde: Fledermäuse

 

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