Sie lieben es feucht und krumm: «Fledermaushotel»
in Rheinsberg
Diese Hotelgäste lieben es feucht und bevorzugen
krumme Wände mit Rissen: Fledermäuse. In Brandenburg
entsteht jetzt ein «Fledermaushotel».
Von Imke Hendrich, dpa
Rheinsberg (dpa) - Diese Hotelgäste lieben es feucht und
bevorzugen krumme Wände mit Rissen: Die Wünsche der
Fledermäuse nördlich von Berlin werden schon bald erfüllt,
denn in Rheinsberg (Brandenburg) entsteht ein «Fledermaushotel».
«Im Mai beginnen die Bauarbeiten und bis die Tiere ihr Winterquartier
aufsuchen, wird die Herberge fertig sein», sagt Architekt
Harald Korthals von der Projektentwicklung Harm (Waren/Müritz),
die in Rheinsberg derzeit ein Hafendorf errichtet. Als Ausgleichsmaßnahme
hat sie sich zu dem in seiner Art laut Korthals wohl bundesweit
einmaligen Projekt verpflichtet.
«In ihrem Unterschlupf sollen die gefährdeten Tiere
alles finden, was sie in einem Winterquartier so brauchen.»
So werde es für die kleinen Gesellen regelrechte Appartements
geben unter anderem mit unterschiedlich großen Hohlraumsteinen
für die Nachtruhe, vielen Mauervorsprüngen und schiefen
Wänden zum Nisten. Eine ständige «Bewässerung»
- durch Löcher in der Betondecke kann Wasser aus Regen oder
Schnee durchsickern - solle für die aus Sicht der Tiere angenehme
Feuchtigkeit gesorgt sein. Und das Ganze ist unterirdisch.
Auf einem Areal in der Nähe des Hafendorfes wurden laut
Korthals 200 000 Kubikmeter Aushub aus dem Hafenbecken aufgehäuft,
die bepflanzt werden sollen. Unter dem Hügel entstehe das
«Fledermaushotel», das etwa zwei Meter hoch und 100
Quadratmeter groß sein werde. «Über zwei Einflugschneisen
können die Tiere einfliegen, aber die Schneisen sind groß
genug und mit Steigeisen versehen, dass Naturschützer nach
dem Rechten sehen können», sagt Korthals. Schon im
Vorfeld des nach seinen Angaben rund 30 000 Euro teuren Projektes
sei eng mit den Fledermausexperten zusammengearbeitet worden.
«Wir begrüßen dieses Projekt außerordentlich,
weil die nötigen Winterquartiere für die 18 Arten in
Brandenburg nur noch selten sind», sagt Dietrich Dolch von
der Naturschutzstation Zippelsförde des Landesumweltamtes.
Früher fanden sie in feuchten Kellern, in denen etwa Kartoffeln
oder Rüben gelagert wurden, Unterschlupf. «Doch wo
gibt es das noch.» Allerdings warnt Dolch vor zu großer
Euphorie angesichts des Projektes: «Das ist eine gesetzlich
vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahme, schließlich hat
der Hafendorf-Investor eine Hotelruine, die den Fledermäusen
als Quartier diente, gesprengt.»
Dolch rechnet damit, dass in der neuen Herberge etwa fünf
Arten Zuflucht suchen werden. Wie viele Exemplare es sein werden,
sei noch nicht zu schätzen. Laut Dolch gibt es in Brandenburg
Fledermaus- Winterquartiere unter anderem in ehemaligen Militärbauten,
aber es seien auch eigens Unterschlupfe entstanden. In seiner
Art sei das Rheinsberger Projekt jedoch etwas Besonderes.
Nach Auskunft von Korthals hat der Investor des Hafendorfes
- dort seien neben den bereits gebauten Ferienhäusern unter
anderem ein Hotel, ein Golfplatz und eine Veranstaltungshalle
geplant - noch weitere Vorhaben für die Tierwelt. «Im
Hafendorf selbst werden Schlafplätze und Wochenstuben für
Fledermäuse entstehen. Unter anderem sind auch Nisthilfen
für Mauersegler geplant.»
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