Tierschützer dokumentieren blutiges Robbenschlachten
Tierschützer haben bei dem anhaltenden
Robbenschlachten in Kanada zahlreiche grauenhafte Verstöße
gegen gesetzliche Auflagen dokumentiert.
Toronto (dpa) - Tierschützer in Kanada haben bei dem seit
Wochen anhaltenden Robbenschlachten im Nordosten des Landes nach
eigenen Angaben zahlreiche grauenhafte Verstöße gegen
gesetzliche Auflagen für diese weltweit größte
Massentötung von Meeressäugetieren dokumentiert. Die
kanadischen Behörden sahen sich daraufhin gezwungen, eine
Untersuchung einzuleiten, wie die Robbenspezialistin des Internationalen
Tierschutzfonds (IFAW), Rebecca Aldworth, am Mittwoch der dpa
sagte. Mehr als 240 000 Robben seien bereits getötet worden,
seit die diesjährige Jagd am 22. März begann.
«Wir haben dem Fischereiministerium dutzende Videoaufnahmen
übergeben, auf denen zu sehen ist, wie Babyrobben bei lebendigem
Leibe gehäutet werden», sagte Aldworth in Toronto.
«Zudem haben wir Beschwerde eingereicht gegen massive Behinderungen
von Tierschützern bei der Beobachtung und Dokumentation des
Robbenschlachtens.» So habe ein Robbenfängerschiff
eine Eisscholle gerammt, auf der ein IFAW- Kamerateam gelandet
war. «Das Team konnte nur knapp den Hubschrauber erreichen
und sich in Sicherheit bringen.»
Die behördliche Untersuchung bedeute «noch lange
nicht, dass dieses Schlachten eingestellt wird», sagte Aldworth.
Die meisten der getöteten Robben seien schwimmunfähige
Jungtiere gewesen. Die Baby- Robben werden mit Keulen erschlagen,
an denen Eisenhaken befestigt sind, so genannten Hakapiks. Dabei
werden die Robben häufig nicht so auf den Schädel getroffen,
dass sie vor der Häutung tatsächlich tot sind. Den Augenreflextest,
der nach den Vorschriften vor der Häutung durchgeführt
werden soll, nahm kein einziger von dutzenden Robbenjägern
vor, die Reporter im März auf dem Packeis des St.- Lorenz-Golfs
beobachten konnten.
Das Fischereiministerium Kandas hatte für die diesjährige
Robbenjagd allein in diesem Jahr die Tötung von 350 000 Sattelrobben
und Klappmützen erlaubt. Das Massenschlachten, das im März
im St.- Lorenz-Golf begann und inzwischen auf das Packeis nordöstlich
von Neufundland ausgedehnt wurde, soll noch bis Mitte Mai anhalten.
Allein vor Neufundland waren nach IFAW-Angaben in den vergangenen
Tagen rund 350 Fischerboote im Einsatz. «Innerhalb von drei
Tagen wurden dort fast 140 000 Robben abgeschlachtet», sagte
Aldworth.
Für die Jahre 2003 bis 2005 hat das kanadische Fischereiministerium
die Tötung von insgesamt rund einer Million Robben gestattet.
Zu den Hauptabnehmerländern für kanadische Robbenfelle
gehören Norwegen, Dänemark und China. In Belgien wurde
kürzlich der Import untersagt.
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