Klimawandel begünstigt Kiefern-Vormarsch
Der Klimawandel könnte das Antlitz der
Alpen dramatisch verändern, glauben österreichische
Ökologen.
(jkm) - Den Modellrechnungen der Forscher zufolge könnte
sich die von Bergkiefern bewachsene Fläche auf das Sechsfache
erhöhen. Da die Bäume an der Baumgrenze nur langsam
wachsen, würde diese Expansion allerdings sehr zögerlich
vonstatten gehen.
Für andere alpine Pflanzen könnte dies das Aus bedeuten.
"Schrumpfen und Fragmentierung der alpinen Lebensräume
könnten so zu einer ernstlichen Bedrohung für Populationen
vieler Hochgebirgspflanzen werden, ganz besonders regional endemischer",
erläutert Stefan Dullinger. Auf der anderen Seite könnten
ausgedehntere Gebirgswälder Erosionsprozesse eindämmen
und vermehrt Wasser speichern.
Dullinger und seine Kollegen von der Universität Wien und
vom österreichischen Umweltbundesamt nutzten Daten über
Bergkiefern (Pinus mugo Truga), um deren Reaktion auf die globale
Erwärmung zu simulieren. Die Föhren sind derzeit auf
einem Zehntel der betrachteten Gebirgsfläche vertreten. Ausgehend
von bis zu zwei Grad Celsius höheren Durchschnittstemperaturen
schätzen die Forscher, dass die nahe der Baumgrenze nur sehr
langsam wachsenden Bäume bis Ende des Jahrtausends 24 bis
59 Prozent der Fläche erobern könnten.
Ausschlaggebend ist nicht allein das Maß der Erwärmung,
schreibt die Gruppe im "Journal of Ecology". Mindestens
ebenso wichtig seien Faktoren wie beispielsweise der Widerstand,
den die krautige Vegetation dem Vordringen der Nadelbäume
entgegensetzt. Zudem warnen die Forscher davor, die Resultate
auf andere Baumgrenzen-Systeme zu übertragen.
"Baumgrenzen könnten höchst unterschiedliche Reaktionen
auf einen Temperaturanstieg zeigen", so Dullinger. "Unser
Modell macht deutlich, dass komplexe Interaktionen zwischen Temperaturanstieg,
artspezifischen Eigenschaften und der angestammten Gebirgsvegetation
über die mögliche Ausdehnung der Baumgrenze entscheiden."
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