"Todeszonen" bedrohen Meeresleben
Sauerstoffarme tote Zonen in den Ozeanen drohen nach Einschätzung
der UN zu einer größeren Gefahr zu werden als die Überfischung.
(jkm) - In gut 150 Meeresgebieten herrscht zeitweise oder dauerhaft
Sauerstoffmangel, warnt ein neuer Bericht des Umweltprogramms
der Vereinten Nationen (UNEP). Hervorgerufen durch hohe Nährstoffeinträge,
kommt es in diesen "Todeszonen" zu Massensterben von
Tieren und Pflanzen.
"Die Menschheit führt derzeit ein gigantisches, globales
Experiment durch", formuliert UNEP-Direktor Klaus Töpfer.
Ineffizienter oder übermäßiger Einsatz von landwirtschaftlichen
Düngern, die Einleitung ungeklärter Abwässer und
die weiter steigenden Emissionen aus Straßenverkehr und
Industrie versorgten marine Algen mit reichlich Stickstoff und
Phosphor und förderten so ihr Wachstum. Die Verwesung der
Organismen zehre wiederum den im Wasser gelösten Sauerstoff
auf, "mit alarmierenden und mitunter nicht reversiblen Effekten."
Regelmäßig betroffen sind unter anderem der Golf von
Mexiko, Nord- und Ostsee, Adria, Kattegatt und einige Fjorde sowie
die Chesapeake Bay. Die Autoren des Berichts warnen, Zahl und
Größe der anoxischen Zonen hätten in den letzten
35 Jahren deutlich zugenommen. Dadurch seien nicht nur die Bestände
von Fischen und Weichtieren bedroht, sondern auch Ernährung
und Einkommen von Küstenbewohnern und die Basis ganzer Industriezweige.
Der Bericht wurde heute auf einem Treffen von Regierungsvertretern
und UNEP-Experten im südkoreanischen Jeju vorgestellt. Nach
Ansicht der Autoren wird das Problem durch die globale Erwärmung
noch verstärkt werden. Stärkere Niederschläge und
damit erhöhte Nährstoffeinträge, in Verein mit
einem Anstieg der Wassertemperaturen, könnten den Sauerstoffgehalt
beispielsweise im nördlichen Golf von Mexiko um bis zu 60
Prozent sinken lassen.
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